Neue Metaanalyse: Individualisierte Homöopathie signifikant besser als Placebo

Eine neue und aktuelle Metaanalyse zur Homöopathie von Robert Mathie und Kollegen liegt vor: Es handelt sich um die mittlerweile 5. Metaanalyse zur Wirkung homöopathischer Arzneimittel.

Metaanalysen fassen die Ergebnisse vieler Studien statistisch zusammen und treffen damit eine Aussage über die Wirksamkeit einer Therapie, so wie sie sich in den eingeschlossenen Studien darstellt.

Bisherige Metaanalysen zur Homöopathie:

Autor Jahr Kernbotschaft
Kleijnen et al. 1991 “Positive Evidenz homöopathischer Therapie, aber geringe Qualität der Studien”
Linde et al. 1997 “Klinische Effekte der Homöopathie beruhen nicht alleine auf Placeboeffekten”
Cucherat et al. 2000 “Homöopathie effektiver als Placebo, Evidenz bei geringer methodologischer Qualität gering”
Shang et al. 2005 “Klinische Effekte der Homöopathie sind Placeboeffekte”
Mathie et al. 2014 “Individualisierte Homöopathie hat kleine, aber spezifische Therapieeffekte”

Was unterscheidet die neue Metaanalyse von den bisherigen?

  • Es handelt sich um die aktuellste und bisher umfangreichste Literaturrecherche, die auch Datenbanken einschließt, die bisher nicht berücksichtigt wurden bzw. nicht verfügbar waren.
  • Ausschließlich Studien zur individualisierten Homöopathie (sog. Einzelmittel-Homöopathie” oder “klassische” Homöopathie) wurden eingeschlossen. Dies war bisher nicht der Fall.
  • Die Heterogenität der ausgewählten Studien wurde in der statistischen Analyse in besonderer Weise berücksichtigt.
  • Die Studien wurden anhand eines vorab veröffentlichten Protokolls ausgewertet und auch bezüglich des Risikos beurteilt, einen Bias zu enthalten.

Welche Ergebnisse beschreibt die neue Metaanalyse?

  • Es wurden randomisierte und doppelt verblinde Studien, die individualisierte Homöopathie gegen Placebotherapie vergleichen, ausgewertet.
  • Vollständige Datensätze aus 22 der insgesamt 32 identifizierten Studien konnten in die Analyse einbezogen werden.
  • Es wurden insgesamt 24 Diagnosen behandelt. Im Durchschnitt nahmen 43,5 Teilnehmer an den Studien teil, es wurden insgesamt 28 Outcomeparameter in allen Studien erhoben.
  • Für alle 22 Studien ergab sich eine Überlegenheit der Homöopathie gegenüber Placebo (Odds Ratio 1,53 – 95% Konfidenzintervall 1,22 – 1,91; p < 0,001).
  • Es gab keine Hinweise auf einen Publication Bias im Funnel Plot, die statistische Heterogenität war gering.
  • Die Autoren schließen aus ihrer Analyse, dass Arzneien, die auf der Basis einer individualisierten homöopathischen Arzneifindung verschrieben werden, einen kleinen, aber spezifischen Therapieeffekt haben.

Welche Bedeutung hat die neue Metaanalyse?

Es wird hier methodisch fundiert belegt, dass die bisherigen Studien zur individualisierenden Homöopathie einen Therapieeffekt aufweisen, der den sogenannten Placeboeffekt übersteigt. Die Arbeit legt somit nahe, dass es eine spezifische Wirkung homöopathischer Arzneimittel gibt. Zwar weist diese im Vergleich zu Placebos nur einen kleinen zusätzlichen Effekt auf, dieser ist jedoch statistisch signifikant.

Zum Volltext der neuen Metaanalyse

 

Literatur

Kleijnen J, Knipschild P, ter Riet G: Clinical trials of homoeopathy. BMJ 1991, 302:316–323 http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC1668980/

Cucherat M, Haugh MC, Gooch M, Boissel JP: Evidence of clinical efficacy of homeopathy. A meta-analysis of clinical trials. HMRAG. Homeopathic Medicines Research Advisory Group. Eur J Clin Pharmacol 2000, 56:27–33 http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/10853874

Linde K, Clausius N, Ramirez G, Melchart D, Eitel F, Hedges LV, Jonas WB: Are the clinical effects of homeopathy placebo effects? A meta-analysis of placebo-controlled trials. Lancet. 1997;350(9081):834-43  http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/9310601

Shang A, Huwiler-Müntener K, Nartey L, Jüni P, Dörig S, Sterne JA, Pewsner D, Egger M: Are the clinical effects of homoeopathy placebo effects? Comparative study of placebo-controlled trials of homoeopathy and allopathy. Lancet  2005 Aug 27-Sep 2;366(9487):726-32 http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/16125589

Mathie RT, Lloyd SM, Legg LA, Clausen J, Moss S, Davidson JR, Ford I: Randomised placebo-controlled trials of individualised homeopathic treatment: systematic review and meta-analysis. Syst Rev. 2014 Dec 6;3(1):142 http://www.systematicreviewsjournal.com/content/3/1/142/abstract

Veröffentlicht unter Forschung, Meta-Analysen Homöopathie | Verschlagwortet mit , , , , , , | Kommentare deaktiviert

Sind homöopathische Arzneien Nano-Stressoren?

Teil 3 und Abschluß der Serie zum ‘Nanoparticle-Cross-Adaption-Sensitization Model’ von Iris Bell

(Teil 1, Teil 2)

Nachdem es im vorigen Blog Beitrag zum ‘Nanoparticle-Cross-Adaption-Sensitization Model’ von Iris Bell um das Vorkommen von Nanopartikeln (NP) in homöopathischen Arzneien ging, geht es hier um die Frage wie diese eine Selbstheilungsreaktion des Organismus bewirken könnten. Frau Bell sieht mögliche Antworten in den katalytischen Eigenschaften von NP, die auch in Konzentrationen von einem Nanomol(10-9) signifikante biologische Effekte bewirken würden. Zudem könnten die „Nanoblasen“, in denen sich die Nanopartikel befinden, die biologische Wirkung verstärken. Homöopathisch verabreicht könnten, laut Bell, potenzierte Arzneien Anpassungsreaktionen des autoregulativen Stressreaktions- Netzwerkes bewirken, nachdem sie vom Organismus als Stressor identifiziert wurden.

Das dabei verwendete Stresskonzept (2,3) ist den Meisten wohlbekannt: Der Körper passt sein inneres Milieu (Homöostase) ständig an die äußeren Umweltbedingungen an, der Begriff „Allostase“ (Erhalt von Stabilität durch Wandel) bezeichnet diesen Vorgang, der im Laufe der Zeit zu einer individuellen von der Beanspruchung abhängigen „allostatischen Last“ führt, eine Folge der ständigen Anpassungsvorgänge. Der Stressauslöser wird als „Stressor“ bezeichnet, dieser kann physikalischer, chemischer oder psychosozialer Natur sein. Die durchaus spezifische Reaktion   des Organismus wird als „Stressreaktion“ bezeichnet. Alltagsverständlich ausgedrückt: Der smogbelastete Mensch aus Shanghai, der Kettenraucher, der Extremsportler und der Stubenhocker benötigen gänzlich andere körperliche Anpassungsreaktionen und haben entsprechend andere „Abnutzungen“ auf ihre individuellen Belastungen im Laufe des Lebens auf psychologischer, immunologischer und zellulärer Ebene entwickelt. Entsprechend werden sie ggf. auch andere Erkrankungen entwickeln.

Im weiteren geht Frau Bell auf die Toxizität einzelner Nanopartikel ein, diese bestünde bei den meisten in hoher Dosis, bei einigen auch bei sehr niedrigen Dosen. Sie würden mit der Entstehung einzelner Krankheiten in Verbindung gebracht und könnten Entzündungsreaktionen auslösen. Es sei davon auszugehen, dass deshalb, unabhängig von der Quelle des Nanopartikels, der Organismus auf diese potentielle Bedrohung reagiere. Je besser die Nanopartikel in den homöopathischen Arzneien als Stressorsignal zur individuellen „allostatischen Last“ passten, desto eher handele es sich um die Simillimum Arznei. Der Wirkort der Arznei wäre kein lokaler Rezeptor, sondern der Organismus als Gesamtsystem reagiere. Relevant für die Anpassungsvorgänge wären die niedrige Dosis und der Zustand des Organismus zum Zeitpunkt der Arzneigabe.

Die Individualität von Stressreaktionen ist ein entscheidender Aspekt der gegenwärtigen Stresskonzepte. Der individuelle Organismus reagiert auf Grund seiner Vorgeschichte qualitativ und quantitativ sehr individuell mit einer Anpassungsreaktion auf äußere und innere Reize.

Die Dosen der Nanopartikel in den Untersuchungen von Chikramane bewegten sich im Bereich von 8-7000 Pikogramm/ml (10-12). Auch die Silizium Konzentrationen in den homöopathischen Arzneien seien nur im Mikromolarbereich gewesen, so dass allgemein nicht von einer Gefährdung durch die Nanopartikel in homöopathische Arzneien ausgegangen werden könne, laut Bell.

Wie also könnten dann die Nanopartikel in homöopathischen Arzneien Reaktionen des Organismus auslösen, wenn die Dosis in der Regel zu niedrig sei? Dies sei möglich durch Hormesis.

Das Phänomen Hormesis beschreibt die zeitabhängige Anpassungsreaktion von biologischen Organismen auf Stress (durch alle denkbaren Arten von Stressoren wie z.B. auch Gifte) in Abhängigkeit von der Intensität. Diese Beziehung ist nicht linear, sondern biphasisch. Bedeutet, dass immer mehr Stress (z.B. Hitze, Kälte) nicht eine immer stärkere Reaktion zur Folge hat, sondern dass ab einem bestimmten Maß der Organismus weniger reagiert, z.B. wenn die Schädigung zu groß ist.

Hormesis_komplett

Unterschieden wird zwischen einer präkonditionierten – und einer postkonditionierten Hormesis, dabei werden zweimal Stressreize gesetzt und die letztendliche Schädigung verglichen.

Bei der präkonditionierten Hormesis wird erst leicht gestresst, dann stark. Dabei zeigt sich, dass eine Stimulation durch eine niedrigere Stressdosis vor intensivem Stress einen protektiven Effekt hat, der Schaden ist geringer als bei intensivem Stress allein. Erfolgt die niedrigere Stressdosis im Anschluß an den starken Stress spricht man von einer postkonditionierten Hormesis. Weiterhin unterscheidet man zwischen homolog bei gleichartigem und heterolog (Bell nennt dies auch „cross adaption“- Kreuzadaptation) bei unterschiedlichem Stressreizen. 

Van Wijk und Wiegant (4,5) haben in den vergangenen gut 20 Jahren eine Vielzahl von Versuchen mit Zellkulturen zur postkonditionierten Hormesis durchgeführt. Untersucht wurden dabei Reparaturproteine (Hitze- Schock Proteine, HSP), deren Konzentration ein direktes Maß für den Gesundungsverlauf einer Zelle nach Stress darstellen. Je nach Stress (Schädigungsart) ergibt sich ein spezifisches Muster an Reparaturproteinen. Van Wijk und Wiegant konnten z.B. zeigen, dass eine Konzentration von 100 uM Arsen eine Störung der Zellregeneration bewirkt. Deutlich wurde auch, dass die Zellen direkt nach der Schädigung eine sehr hohe Sensitivität gegenüber Arsen entwickelten. Stresst man nun die Zelle mit der gleichen Dosis stirbt die Zelle schnell ab. Im Gegensatz dazu stieg die Bildung von Reparaturproteinen nach Gabe von Arsen in niedrigeren Dosen von 1uM bis 10 uM sprunghaft an und der Gesundungsverlauf war sehr positiv. Wurden hingegen gesunde Zellen mit diesen niedrigen Konzentrationen gestresst, war keine Veränderung der Konzentration von Reparaturproteinen festzustellen. Diese Versuchsreihe entsprach einer homologen postkonditionierten Hormesis.

In weiteren Untersuchungen wurde die heterologe postkonditionierte Hormesis untersucht. Ausgangspunkt war erneut das spezifische Muster an Reparaturproteinen, das durch einen initialen Stress in Form von Hitze ausgelöst wurde. Es zeigte sich, dass die Substanz, die in geringer Dosis verabreicht das ähnlichste Muster an Reparaturproteinen zeigte, den besten Heilungsverlauf bewirkte. Dieser ging über die Gesundungsreaktion bei einer homologen postkonditionierten Hormesis hinaus. Van Wijk deutete dies als einen Hinweis für die Validität der Simile Regel auf zellulärer Basis.

Durch die verstärkte Bioverfügbarkeit seien laut Bell die Dosen für Nanopartikel, die für eine positive hormetische Wirkung notwendig seien, noch geringer als für anderweitige Substanzen bekannt. Ihre Wirkung könnte als eine heterologe postkonditionierte hormetische Wirkung verstanden werden. Das Muster der Schädigung der allostatischen Last des Organismus würde durch eine Substanz, die ein vergleichbares Muster an Schädigung erzeugen kann, in Richtung Gesundungsreaktion angestoßen.

Als letztes Puzzlestück in ihrem Modell bezieht sich Frau Bell auf die „Zeitabhängige Sensibilisierung“ (Time- Dependent Sensitization, TDS). Bell hält es für möglich, dass durch den Nano- Stress Veränderungen im Bereich der neuronalen Meta- Plastizität indiziert werden, die eine sich zunehmend verstärkende Gegenreaktion des Organismus bewirken. Ein häufig bestätigtes Beispiel dafür sei dabei der Prozess der „Zeitabhängigen Sensibilisierung“, bei dem der Organismus auf eine einmalige Konfrontation mit einem Stressor eine über die Zeit zunehmend starke Reaktion zeigt. Die Reaktion auf die erneute Konfrontation mit dem gleichbleibenden Stressor ist ebenfalls verstärkt. Dieses Phänomen finde sich in zahlreichen Organisationsebenen eines Organismus, und könne durch vielfältige Stressoren ausgelöst werden. Dies würde erklären warum die homöopathischen Arzneien auch bei seltener Gabe im Abstand von mehreren Wochen Selbstheilungsprozesse aktivieren könnten. Auch bei Arzneistoffen ist dieses Phänomen bestätigt worden, eine Gabe von Psychopharmaka, die nicht täglich sondern nur im Abstand von mehreren Wochen erfolgte, hatte den gleichen oder bessere Erfolge. (1)

Fassen wir es nochmal zusammen: In homöopathischen Arzneien sind Nanopartikel der Ausgangssubstanz und von Silizium aus den Glaswänden. Diese werden vom Organismus bei einem Kontakt als relevanter und bedrohlicher Stressor bewertet. Passt die vom Nanopartikel induzierte Schädigung zum bestehenden Schädigungsmuster der allostatischen Last, kann dadurch eine Heilungsreaktion im Sinne einer postkonditionierten heterologen Hormesis ausgelöst werden. Verstärkt wird diese Heilungsreaktion durch eine „Zeitabhängige Sensibilisierung“, die durch Einzelgaben der Arznei in längeren Abständen ausgelöst wird.

Unser Fazit: Frau Bell hat in ihrem Modell Forschungsergebnisse der homöopathischen Grundlagenforschung mit modernen Erkenntnissen von Nanomedizin und Stressmodellen zu einem harmonischen Ganzen zusammengefügt. Das Modell betrachtet Homöopathie als eine materielle und arzneiliche Therapie, die durch einen spezifischen Stressreiz den Organismus zu einer Selbstheilungsreaktion anregt. Damit ist es zumindest von der grundlegenden Idee dem ursprünglichen Selbstverständnis der Homöopathie als einer Reiz- und Reaktionstherapie nahe. Quantenmechanische Modelle, die „Imprint Theorie“ und ein Gedächtnis des Wassers sind nicht Bestandteil des Modells. Den Durchbruch zur Anerkennung der Homöopathie wird es nicht bewirken, aber wir sind auf Forschungsergebnisse zu diesem Modell in der Zukunft gespannt.

 Literatur

Literatur Iris Bell und Chikramane siehe Teil 1

Website von Iris Bell

(1) Antelman SM, Levine J, Gershon S: Time dependent sensitization: the odyssey of a scientific heresy from the laboratory to the door oft he clinic. Molecular psychiatry 2000;5:350-356. http://www.joseph-levine.co.il/wp-content/uploads/2009/04/time-dependent-sensitization.pdf

(2) Esch T: Gesund im Stress: Der Wandel des Stresskonzepts und seine Bedeutung für Prävention, Gesundheit und Lebensstil. Gesundheitswesen 2002; 64: 73-81

(3) Esch T: Stress, Anpassung und Selbstorganisation: Gleichgewichtsprozesse sichern Gesundheit und Überleben. Forschende Komplementärmedizin 2003; 10:330-341

(4) Van Wijk R, Wiegant F: Homöopathie in der aktuellen Forschung: Simile-Prinzip experimentell bestätigt? Allgemeine homöopathische Zeitung 1996; 241:56-61

(5) Van Wijk R, Wiegant F: Postconditioning Hormesis and the Homeopathic Similia Principle: Molecular Aspects. Biological Effects of Low Level Exposures Newsletter: 2010; 16:45-50.

Veröffentlicht unter Allgemein, Forschung | Verschlagwortet mit , , , , , , , | Kommentare deaktiviert

Schwache Argumente gegen die sanfte Medizin: Ein kritischer Blick auf den Homöopathie-Artikel in Wikipedia

Dana Ullman, ein bekannter Autor und Verleger homöopathischer Bücher in den USA, traf im April dieses Jahres zufällig Jimmy Wales, den Mitbegründer von Wikipedia, in Vancouver auf der Straße. Er nutzte die Gelegenheit und sprach ihn auf Ungereimtheiten im englischsprachigen Wikipedia–Artikel zur Homöopathie an. Wales bat ihn, seine Unzufriedenheit schriftlich darzulegen. Das hat Ullman nun in beeindruckender Art und Weise in der Onlinezeitung „The Huffington Post“ getan.

Ullman zitiert zunächst den ersten Abschnitt der englischsprachigen Wikipedia-Seite, in dem die Homöopathie definiert wird, und untersucht diesen bezüglich der Argumentationslinie und der zitierten Referenzen. Die englischsprachige Wikipedia Seite unterscheidet sich bezüglich der Einseitigkeit der „Anti-Homöopathie“ Haltung nicht von der deutschen Seite, auch hier werden „Pro-Homöopathie“ Autoren nicht zugelassen oder der ganze Artikel ist für Ergänzungen blockiert.

 Im Artikel wird Homöopathie als „Pseudowissenschaft“ bezeichnet, deren Arzneien nicht wirksamer seien als Placebos. Ullman weist in der Folge auf einige klinische Studien hin, die in anerkannten medizinischen Zeitschriften mit Peer-Review-Verfahren veröffentlicht wurden, und die eine über Placebo hinausgehende Wirksamkeit aufzeigen konnten. Wie kann eine „Pseudowissenschaft“ solche Evidenz kreieren, fragt sich Ullman zu Recht. Ironischerweise verweisen die Wikipedia-Autoren auf nicht annähernd so gute Quellen. Einzig die viel zitierte Metaanalyse von Shang et al., die das Ende der Homöopathie verkünden wollte, ist in einem hochrangigen medizinischen Journal (Lancet) erschienen. Die statistische Herangehensweise der Autoren wurde, wie auch schon in unserem Blog zu lesen ist, von Lüdtke und Rutten eindrucksvoll kritisiert und taugt somit nicht mehr als Totschlag-Argument gegen die Homöopathie.

 Weiter zitiert Ullman den dritten Abschnitt aus Wikipedia: Hier geht es wieder um klinische Evidenz und um das zugrundeliegende Modell für die Wirkung homöopathischer Arzneien, das Wikipedia als „nicht plausibel“ und „physikalisch unmöglich“ bezeichnet. Keine einzige der von den Wikipedia-Autoren angegebenen Referenzen stammt aus einer anerkannten wissenschaftlichen Zeitschrift, mitunter sind es sogar nur Zitate von Webseiten. Käme jemand daher und wollte die Homöopathie mit Zitaten aus Webseiten und mit Aufsätzen, die in nicht wissenschaftlichen Zeitschriften erschienen sind, belegen, so würde er – so Ullman – von den Wikipedia-Autoren berechtigterweise ausgelacht werden.

 Im Zusammenhang mit der Plausibilität geht Ullman auch ausführlich auf Aspekte der Nanomedizin und der Idee eines Wassergedächtnisses ein sowie deren Verbindung zur homöopathischen Arzneiherstellung und Wirkung. Besonders erwähnt er Untersuchungen des französischen Nobelpreisträgers Luc Montagnier, der erst kürzlich Belege für ein „Gedächtnis des Wassers“ veröffentlicht hatte.

Das Gebiet ist komplex, und aus unserer Sicht kann man noch nicht davon sprechen, dass es wissenschaftlich erwiesen ist, dass homöopathische Arzneien über Nanopartikel und ein Wassergedächtnis Selbstheilungskräfte aktivieren. Aber es sind interessante Untersuchungen und Modelle, die in anerkannten Fachzeitschriften und von anerkannten Wissenschaftlern geäußert werden.

Ullman moniert, dass diese Ideen keinerlei Erwähnung im Wikipedia-Artikel finden, die vielbeschworene neutrale Objektivität von Wikipedia sei hier in weiter Ferne. Es läge ein klarer Bias vor, die langjährigen Wikipedia-Autoren mit entsprechender Macht legten ihre private Sicht der Dinge vor, nicht die aktuelle wissenschaftliche Sachlage. In diesem Zusammenhang zitiert Ullman noch einen weiteren Nobelpreisträger, den emeritierten Cambridge Professor Brian Josephson, der von einem „pathologischen Unglauben“ spricht, im Sinne von „selbst wenn es wahr wäre, würde ich es nicht glauben“.

 Spannend ist der Vorschlag, den Ullman am Ende seiner Analyse macht: Da der Wikipedia-Artikel so einseitig gegen die Homöopathie Stellung bezieht, sei es kaum möglich, daraus einen ausgewogenen Artikel zu schreiben. Deshalb schlägt er vor, den Artikel zu ergänzen: Neben dem bisherigen „skeptischen“ Blickwinkel sollte es einen weiteren aus homöopathischer Sicht geschriebenen geben.

Mitunterzeichnet wurde Ullmans Beitrag von Michael Frass, MD, Professor of Medicine, Medical University of Vienna (Austria); Paolo Bellavite, MD, Professor, Università of Verona (Italy), Department of Pathology and Diagnostics; Paolo Roberti di Sarsina, MD, Observatory and Methods for Health, University of Milano-Bicocca, Italy, Charity for Person Centered Medicine-Moral Entity, Bologna, Italy, Expert for Non-Conventional Medicine (2006-2013), High Council for Health, Ministry of Health, Italy; Dr Clare Relton, Senior Research Fellow (Public Health), School of Health & Related Research, University of Sheffield (UK); Stephan Baumgartner, PhD, Institute of Complementary Medicine, University of Bern, Switzerland, Institute of Integrative Medicine, University of Witten-Herdecke, Germany; Lex Rutten MD, homeopathic physician, independent researcher.

Unser Fazit: Ullman weist eindrucksvoll nach, dass der englischsprachige Homöopathie-Artikel in Wikipedia mit schwachen Referenzen gegen die Homöopathie argumentiert und gleichzeitig eine Vielzahl starker Quellen, die für eine positive Wirkung der Homöopathie sprechen, missachtet. Der Artikel ist somit unausgewogen, und er vermittelt keinen neutralen Blickwinkel auf die Homöopathie – was von einer Enzyklopädie zu erwarten wäre. Für den deutschsprachigen Artikel zur Homöopathie in Wikipedia gilt leider das gleiche. Sollte die Wikipedia-Redaktion überhaupt antworten, darf man sich freilich nicht allzu viel davon erhoffen. Dafür scheint die Sache zu festgefahren zu sein.

Veröffentlicht unter Allgemein, Web 2.0 | Verschlagwortet mit , , | Kommentare deaktiviert

CORE-Hom: Homöopathie-Studien auf Mausklick

Die Karl und Veronica Carstens-Stiftung bietet seit kurzem eine Online Datenbank an, mit der sich die gesamte klinische Studienliteratur der Homöopathie nach Themen und Ergebnissen recherchieren lässt. Klinische Endpunkte bzw. Ergebnisse werden beschrieben. CORE-Hom steht dabei für “Clinical Outcome Research in Homeopathy”. Der Name soll darauf hinweisen, dass neben kontrollierten, randomisierten und verblindeten klinischen Studien auch Beobachtungsstudien und Fallserien in die Datenbank Eingang finden. Insgesamt umfasste die Datenbank im Mai 2014 1048 Einträge. Die Ergebnisse von Metaanalysen werden zusammengefasst. Die Datenbank ist für alle, die sich mit klinischer Homöopathie-Forschung beschäftigen, von großem Nutzen und Wert.

Links:

Presseerklärung der Carstens-Stiftung

Datenbank CORE-Hom

Veröffentlicht unter Allgemein | Kommentare deaktiviert

Australischer Homöopathie Report wird kritisiert

Die australische Gesundheitsbehörde “National Health and Medical Research Council” (NHMRC) hat einen ersten Entwurf einer Beurteilung der Studienlage und Evidenz zur Homöopathie öffentlich zur Diskussion gestellt.

Der Bericht wurde von einer Arbeitsgruppe des Forschungsinstitutes Optum erstellt. Der Report kommt zu der Schlussfolgerung, dass die verfügbare Datengrundlage auf Basis der klinischen Studien am Menschen nicht überzeugend sei und nicht belegen könne, dass Homöopathie eine wirksame Behandlung sei. Der Bericht ist im Entwurfs- und Diskussionsstadium und noch nicht finalisiert.

Das britische Homeopathic Research Institute, das über eine große Expertise in der Beurteilung der gesamten homöopathischen klinischen Forschungsliteratur verfügt, hat die Übersichtsarbeit unter die Lupe genommen und in einer ausführlichen Stellungnahme die Korrektur von Fehlern für den endgültigen Entwurf angemahnt. Folgende Schwächen werden aufgeführt und ausführlich diskutiert:

  • Unzureichende Evidenz liege deshalb vor, weil viele Studien qualitativ unzureichend durchgeführt und publiziert wurden. Dies belege aber nur die unsichere Datenlage zur Homöopathie, es ließe sich nicht daraus schließen, dass Homöopathie unwirksam sei. Dies müsse logisch auch so geschlussfolgert werden. Hieraus sei die Forderung nach Forschungsförderung für qualitativ hochwertige Studien logisch abzuleiten.
  • Nur Studien mit mehr als 150 Teilnehmern wurden ausgewertet. Dieses Vorgehen macht keinen Sinn, da auch gute kleinere Studien klinisch relevante und valide Ergebnisse erbringen können. Die Rationale hinter diesem Vorgehen wird nicht erläutert.
  • Alle Nicht-Englisch-sprachigen Studien wurden ausgeschlossen, hierunter finden sich auch fälschlich ausgeschlossene Studien.
  • Homöopathie-Forschungsexperten wurden nicht einbezogen. Die Expertise der Gutachter wird nicht ausreichend erläutert.
  • Homöopathische Qualitätskriterien fanden keine Berücksichtigung. Etliche der bewerteten Studien wurden gar nicht nach Therapieprinzipien der Homöopathie durchgeführt.
  • Es wird nicht ausreichend zu Interessenskonflikten und zur Unvoreingenommenheit der Gutachter Stellung genommen.
  • Es handelt sich um eine Übersicht über Übersichtsarbeiten. Primäre Studiendaten wurden gar nicht analysiert. Damit wurden bekannte Fehler früherer Auswertungen wiederholt.
  • Die Studien wurden für die Homöopathie „als ganzes System“ bewertet, nicht aber zusätzlich systematisch für klinische Diagnosen. Dies ist unüblich in der Medizin, die Rationale wird nicht begründet. Beispielsweise liegt eine positive Evidenz der Homöopathie für Atemwegserkrankungen, Diarrhoe und Allergische Rhinitis vor, dies wird im Bericht nicht dargestellt.
  • Einige wichtige Metaanalysen und Studien wurden ausgeschlossen/nicht ausgewertet, ohne dass die Gründe hierfür ersichtlich sind. Dies sind Studien, die eine positive Evidenz z.B. bei kindlichem Durchfall, allergischer Rhinitis, Schwindel und Otitis media zeigen.

Die Wissenschaftler vom Homeopathic Research Institute fordern daher die Autoren des Reviews auf, in die endgültige Fassung Korrekturen einzuarbeiten und Fehler zu korrigieren.

Referenzen

Der Entwurf des australischen Berichtes

Kritik des Homeopathic Research Institutes

Ausführliche Kritik (pdf)

Veröffentlicht unter Allgemein, Forschung, Meta-Analysen Homöopathie | Verschlagwortet mit , , | Kommentare deaktiviert

Homöopathie – ein Stiefkind des Wissenschaftsjournalismus

“Ein Ritterschlag für Quacksalber?” betitelt die Frankfurter Allgemeine Zeitung einen Artikel zur Homöopathie auf der ersten Seite des Wissenschaftsteils der Ausgabe vom 8.1.2014 (online unter www.faz.net).

Darin steht die Homöopathie wieder einmal – wie in unzähligen weiteren Beiträgen der deutschsprachigen Tages- und Wochenpresse der letzten Jahre – am Pranger der Medizinjournalisten. Zitiert wird zunächst der Leiter der Frauenklinik Zürich, der die Homöopathie in seiner Klinik ablehne, denn schließlich gebe es “für die Wirksamkeit der Homöopathie keine wissenschaftliche Evidenz”. Ein bekanntes Pauschal-Argument, welches den Patientinnen aber egal zu sein scheint: Laut einer Umfrage setzen 93,4% aller deutschen Geburtskliniken homöopathische Arzneien ein.

Dagegengehalten werden die Ergebnisse einer aktuellen Veranstaltung im Dr. von Haunerschen Kinderspital der Ludwig-Maximilians-Universität München, auf welcher die Langzeitergebnisse der homöopathischen Therapie bei ADHS vorgestellt wurden – mit positiven Ergebnissen zugunsten der Homöopathie.

Auf diesen beiden Standpunkten basierend sieht die Autorin des F.A.Z.-Artikels eine Paradoxie: Einerseits die “kategorische Ablehnung jedweder wissenschaftlichen Evidenz”, andererseits “Belege für eine Wirksamkeit aus klinischer Forschung”. Positive Ergebnisse zugunsten der Homöopathie würden aber nur dadurch entstehen, dass die Werkzeuge der Evidenzbasierten Medizin (Stichwort: placebokontrolliert-doppelblind) unzulänglich seien – so der Tenor der Artikels.

Über all das lässt sich natürlich diskutieren. Zwei Punkte sind in der aktuellen Berichterstattung aber wieder und wieder ärgerlich:

1. Die reißerischen Überschriften – hier: “Ritterschlag für Quacksalber?”. Damit werden alle Anwender homöopathischer Arzneien von Vornherein als “Quacksalber” diffamiert – eine unsägliche Unterstellung. Arbeiten die vielen Tausend homöopathischen Ärzte und Heilpraktiker in Deutschland wirklich mit der Überzeugung, unwirksame Medikamente zu verschreiben, nur um damit viel Geld zu machen? Hier wird eine ganze Berufsgruppe pauschal verleumdet.

2. Die Forschungsergebnisse der letzten Jahrzehnte zur Grundlagenforschung und klinischen Forschung in der Homöopathie (vgl. dazu die Beiträge in diesem Blog, die Datenbanken der Carstens-Stiftung etc.) werden weiterhin hartnäckig auch vom Wissenschaftsjournalismus ignoriert – über die Gründe lässt sich spekulieren. Harald Walach hat bereits eine plausible Erklärung geliefert:

Die Komplementärmedizin hat sich in der Praxis bewährt und in der Wissenschaft so manche, wenn auch nicht alle, Belege ihrer Wirksamkeit geliefert. Sie dringt auf leisen Sohlen immer weiter in die Wohnzimmer der medizinischen Versorgungsmacht. Sie bedroht dabei den friedlichen Kaffeekranz derer, die den fetten Versorgungskuchen bislang ungestört unter sich aufteilen konnten. Dies löst Affekte aus, nicht immer die freundlichsten. Das muss niemanden wundern. Niemand sollte aber in der naiven Illusion gelassen werden, dass der Ruf der Skeptikerbewegung nach Abschaffung, Eindämmung oder Ächtung komplementärmedizinischer Verfahren nur eine verirrte Meinung weniger Wirrkopfe sei. Sie mag eine Minderheitenmeinung sein, aber sie verbündet sich strukturell mit der Macht der Schule, vorgebend, es sei die Macht der Vernunft. Zudem verbündet sie sich publizistisch mit einer vorgeblich kritischen Presse die aber, wenn man genauer hinsieht, reaktionäre Denkmodelle bedient und absichtlich oder unabsichtlich Machtstrukturen derer zementiert, die am liebsten alles beim Alten lassen würden.” (Forsch Komplementmed 2012;19:176–178)

 Leider hat sich nun auch noch die sonst hochseriöse F.A.Z. auf dieses Niveau begeben.

Veröffentlicht unter Allgemein, Forschung | Kommentare deaktiviert

Meta-Analysen zur Homöopathie sind negativ, weil 90 % der Daten ausgeschlossen werden.

Meta-Analysen zur Homöopathie kommen zu ganz unterschiedlichen Ergebnissen, je nachdem, wie die eingeschlossenen Studien selektioniert werden. Eine neue Übersichtsarbeit in der Zeitschrift „Forschende Komplementärmedizin“  von Prof. R. G. Hahn  unter dem Titel „Homeopathy: Meta-analysis of pooled clinical data“ (Band 20 ( 5), 2013; 376-381) verhilft hier zu mehr Klarheit.

Der Autor ist ausgewiesener Forscher und Professor für Anästhesie und Intensivmedizin an der Universität von Linköping und Verfasser einiger hunderter wissenschaftlicher Arbeiten im Bereich der Anästhesie und Intensivmedizin, außerdem ausgezeichnet durch mehrere Forschungspreise. Und – er hatte bislang rein gar nichts mit Homöopathie zu tun.

Offensichtlich motiviert durch eine Auseinandersetzung um die wissenschaftlicher Beurteilung um Homöopathie im Internet, hat Hahn hat die bisherigen Meta-Analysen zur Homöopathie kritisch geprüft und kommt dabei zu interessanten  Ergebnissen:

Zur Schlussfolgerung, dass Homöopathie  klinisch nicht wirksam sei, kann man nur kommen, wenn man 90 % aller klinischen Studien zur Homöopathie ignoriert und nicht auswertet!

Insoweit sei, so Hahn, die Meta-Analyse von Linde et al. (Lancet 1997; 350: 834-843) noch immer die beste aller Meta-Analysen zur Homöopathie. Sie zeigt insgesamt eine Odds Ratio von 2,45 zu Gunsten der Homöopathie.

Spätere Meta-Analysen kommen deshalb zu negativen Schlussfolgerungen, weil sie  in sehr großem Umfang Studien-Daten ausschließen. Dabei werden die Gründe für den Ausschluss großer Mengen an Daten meist nicht ausreichend begründet. In der Analyse von Shang et al. (Lancet 2005; 366: 726-732) wurde zum Beispiel das Gesamtergebnis für die eingeschlossenen 110 Studien zur Homöopathie gar nicht berichtet, das Ergebnis beruht schlussendlich nur auf der Analyse von 8 Homöopathie-Studien, deren Identität und Auswahl in der Originalpublikation nicht einmal genannt werden. Außerdem eigne sich die hier angewandte Methode des „Funnel-Plots“ gar nicht für die Analyse heterogener Datensätze,  so Prof. Hahn: „Applying funnel plots to a heterogeneous mix of remedies and diseases is another example of playing around with data“.

Häufige Falschaussagen zur Homöopathie-Forschung sind laut Hahn:

  1. „Homöopathie ist unzureichend erforscht.“ – Falsch, denn die Anzahl der RCTs zur Homöopathie ist sehr groß, sogar höher als zu vielen Therapien in der konventionellen Medizin.
  2. „Es gibt keine einzige positive Homöopathie-Studie“ – Falsch, denn der größte Anteil aller Homöopathie-Studien zeigt signifikant positive Effekte.
  3. „Die Qualität der Homöopathie-Studien ist gering“ – Falsch, denn dies wurde in zwei Arbeiten gut untersucht und widerlegt.
  4. „Die Meta-Analysen/Reviews von Ernst und Shang zeigen zweifelsfrei, dass Homöopathie Betrug und Humbug ist“ – falsch, denn nur eine starke Selektion der Daten kann zu dieser Aussage führen, die Gesamtdatenlage zeigt statistisch eine Wirksamkeit.

Prof. Hahn fordert, dass Evidenz immer auf Basis der Datenlage objektiv evaluiert werden muss, bevor klinische Empfehlungen ausgesprochen werden.  Im Fall der Homöopathie sieht er dieses Prinzip verletzt, er erkennt eine Evidenz-Verzerrung auf der Basis ideologischer Motive, dies erläutert er z.B. am Beispiel des Reviews von Edzard Ernst (Br J Clin Pharmacol 2002; 54: 577-582).

Aus Sicht von Prof. Hahn könnte die Homöopathieforschung in Zukunft  sinnvoll durchgeführt werden, indem Meta-Analysen zu klar fokussierten klinischen Fragestellungen durchgeführt und  Homöopathie in klinischen Studien nicht nur mit Placebo, sondern auch mit konventionellen Therapien verglichen werden.

Kommentar:

Die Evaluationsmethoden der Evidenzbasierten Medizin sollten natürlich auch auf Komplementärmedizin und Homöopathie angewendet werden. Allerdings sollte dieser Prozess fair sein und den allgemeingültigen Regeln der wissenschaftlichen Praxis folgen. Dieses Prinzip sieht Prof. Hahn am Beispiel der Homöopathie Meta-Analysen verletzt. Besondere Bedeutung erhält diese Einschätzung dadurch, dass der Autor Professor für Anästhesie und Intensivmedizin und kein Homöopath ist und sich in mehreren hunderten wissenschaftlichen Publikationen (unter anderem Reviews) bisher nicht mit der Homöopathie beschäftigt hat.

Der kritische Punkt der Meta-Analysen zur Homöopathie ist, welche Studien zur Analyse eingeschlossen werden und wie diese ausgewählt werden. In diesem Kontext dürfen wir auf die Ergebnisse einer Neubewertung der 263 klinischen Studien zur Homöopathie durch eine Arbeitsgruppe um R. T. Mathie (Homeopathy 2013; 102: 3-24) sehr gespannt sein, die im kommenden Jahr erwartet wird.

Andere Schlüsse ziehen daraus übrigens die Protagonisten der “Skeptikerbewegung”: Weil sich die Homöopathie nämlich zunehmend auf klinische Evidenz beriefe, dürfe man einfach keine Homöopathieforschung mehr erlauben! Hier wird nun versucht, das Konstrukt der „Scientabilität“ einzuführen: Wenn die klinische Forschung eine Wirksamkeit der Homöopathie zeige, dürfe man eben einfach keine Homöopathiestudien mehr durchführen, denn die Homöopathie sei grundsätzlich nicht plausibel. Somit müsse die Homöopathie a priori von der Evidenzbasierten Medizin und wissenschaftlichen Forschung ausgeschlossen werden. Dies ist ein aktuelles und trauriges Beispiel dafür, wie Ideologie der wissenschaftlichen Erkenntnis vorgeschaltet wird.

Wirklich gute wissenschaftliche Praxis wäre es dagegen, plausible Hypothesen für die beobachteten Phänomene zu entwickeln und Theorie auf der Basis von Daten aus wissenschaftlichen Beobachtungen zu entwickeln.

Veröffentlicht unter Forschung, Meta-Analysen Homöopathie, Public Health | Kommentare deaktiviert

Nanopartikel und homöopathische Arzneiherstellung

Teil 2 der Serie zum ‘Nanoparticle-Cross-Adaption-Sensitization Model’ von Iris Bell

(Teil 1, Teil 3)

Es wäre schon ein Treppenwitz der Medizingeschichte sollte sich in weiteren Untersuchungen bestätigen, dass bei der homöopathischen Arzneiherstellung tatsächlich Nanopartikel entstehen.
Frau Bell ist davon überzeugt, sie zieht auf der Basis der Studien von Chikramane, in denen in homöopathisch zubereiteten Substanzen Nanopartikel der Ausgangssubstanz gefunden wurden, Parallelen zwischen dem was Hahnemann in seinen Angaben zur Arzneizubereitung beschreibt und was heute bei der Herstellung von Nanopartikeln geschieht.
Bei der homöopathischen Arzneizubereitung werden die Ausgangssubstanzen entweder von Hand oder mit Maschinen unter Zugabe einer definierten Menge Milchzucker bis zur C3 verrieben, bei Pflanzen kommen auch Urtinkturen als Lösungen zum Einsatz. Anschließend erfolgt die stufenweise Verschüttelung der als Lösung aufbereiteten C3 Potenz bis zur gewünschten Potenzstufe.
Bei den modernen Herstellungsverfahren von Nanopartikeln gibt es grundsätzlich zwei verschiedenen Methoden: Beim „Top- Down“ (von oben nach unten) Verfahren werden durch Mahlprozesse die Ausgangsmaterialen bis auf Nanopartikelgröße (Zumindest in einer Dimension < 100 nm) verkleinert, beim „Bottom- Up“ (von unten nach oben) Verfahren durch chemische Prozesse gezielt aus Atomen bzw. Molekülen komplexere Strukturen aufgebaut.

Bildschirmfoto 2013-11-10 um 14.33.34

Herstellungsverfahren von Nanopartikeln. Quelle: (2)

Beim „Top- Down“ Verfahren kommen Hochenergie- Kugelmühlen, manchmal auch zusätzlich chemische Verfahren zur Anwendung. Die Mühlen sind rotierende Trommeln, die mittels Kugeln die Ausgangssubstanz verkleinern. Sie sind für metallische und keramische Nanomaterialen geeignet und die gröbere Form der Herstellung, die Partikelform ist kaum zu kontrollieren, die Verteilung der Partikelgröße groß. Frau Bell, die sich auf das „Top-Down“ Verfahren bezieht, geht davon aus, dass diese Diversität der Partikelgröße auch in homöopathischen Arzneien auftritt. Dies sei ein möglicher Grund für so unterschiedliche Wirkungen von gleichen Potenzen homöopathischer Substanzen in der Grundlagenforschung, da bereits kleine Unterschiede der Form unterschiedliche Eigenschaften zur Folge haben können.

Bildschirmfoto 2013-11-10 um 10.24.05

“Top-Down” Herstellung von Nanopartikeln.
Quelle (2)

Nanopartikel unterscheiden sich laut Bell durch ihre im Vergleich zum Volumen relativ große Oberfläche von der Ausgangssubstanz in Bezug auf ihre mechanischen, chemischen, optischen, thermischen, elektrischen, magnetischen, biologischen und Quanteneigenschaften. Sie würden leicht andere Nanopartikel absorbieren, aber auch Substanzen wie Kräuter, Arzneien, DNA und Proteine auf ihrer Oberfläche, was in der modernen Nanotechnologie ein vielfältiges Verwendungsspektrum zur Folge hat.

Sie könnten leicht biologische Membranen durchdringen und dadurch in Zellen in allen Körperbereichen gelangen. Dies würde eventuell erhebliche Dosisreduktionen bei Arzneien, Kräutern, Nahrungsmitteln oder Impfungen ermöglichen. Silikate, die in wässrigen homöopathischen Lösungen aus Glasherstellung vorhanden sind, seien zudem ein herkömmliches Material um als Nanopartikel ein Vehikel für Arzneien zu bilden.

Frau Bell zitiert in Bezug auf das oben dargestellte den § 269 des Organons von Hahnemann in einem ihrer Artikel, was wir hier in Auszügen auch tun möchten:
„Die homöopathische Heilkunst entwickelt … – durch eine ihr eigentümliche, bis zu meiner Zeit unversuchte Behandlung – die inneren, geistartigen Arzneikräfte der rohen Substanzen bis zu einem früher unerhörten Grad. … Diese merkwürdige Veränderung der Eigenschaften der Naturkörper geschieht durch mechanische Einwirkung auf ihre kleinsten Teile – durch Reiben und Schütteln-, während sie durch Dazwischentreten einer indifferenten Substanz trockener oder flüssiger Art voneinander getrennt sind. Sie entwickelt die latenten dynamischen … Kräfte, die vorher unmerklich, wie schlafend in den Naturkörpern verborgen waren …“ (1)
Fazit für diesen Teil des Models von Bell wäre aus unserer Sicht, dass durchaus Parallelen zwischen homöopathischer Arzneiherstellung und dem „Top-Down“ Verfahren der Nanopartikelherstellung vorliegen, ohne die technischen Details beurteilen zu können. Es wäre wünschenswert, dass weitere Untersuchungen sich mit der Frage des Auftretens von Nanopartikeln in homöopathischen Arzneien beschäftigen.
Im nächsten Beitrag zum Thema wird der Frage nachgegangen, wie die geringe Menge der Nanopartikel der Ausgangssubstanz in homöopathischen Arzneien in einer therapeutischen Art und Weise wirken könnten.

Literatur

(1) Hahnemann, Samuel: Organon der Heilkunst. Neufassung mit Systematik und Glossar von Josef M. Schmidt. Elsevier Verlag, München 2003
Abbildungen und Infos zum Nanopartikel Herstellungsverfahren aus:
(2) Raab, C et al.: Herstellungsverfahren von Nanopartikeln und Nanomaterialien. nano trust dossiers. 6, Nov. 2008 
Zu den Artikeln von Bell und Chikramane siehe Literatur von Teil 1

Veröffentlicht unter Allgemein, Forschung | Verschlagwortet mit , , , , , , , , | Kommentare deaktiviert

Homöopathie in Web 2.0 – Claus Fritzsche im Interview

Claus Fritzsche

Claus Fritzsche

Wiedergabe des Interviews mit freundlicher Genehmigung der Allgemeinen Homöopathischen Zeitung.

AHZ: Sehr geehrter Herr Fritzsche, Sie arbeiten als Journalist und gehören als Web-2.0-Experte zu den wenigen, die als Fürsprecher der Komplementärmedizin im Internet aktiv sind. Woher stammt Ihr Interesse an Homöopathie und Komplementärmedizin?

Claus Fritzsche: Oh, das lässt sich nicht in 3 Sätzen sagen. Es sind zunächst einmal eigene − spektakuläre − therapeutische Erfahrungen, die Freude am Medium Internet und an kontroversen Diskussionen. Ich habe auch eine Affinität zu hochkomplexen und teils verworren wirkenden Themen. Es macht mir Freude, Komplexes zu analysieren und auf den Punkt zu bringen. Was das letzte Motiv angeht, so ist das die Marktnische, in der ich mich bewege. Es gibt viele gute Journalisten, die Wissenschaft packend und spannend schildern. Es gibt auch viele Forscher, die über ein hohes Maß an Fachwissen verfügen und Sachverhalte präzise darstellen. Beide Welten finden jedoch oftmals nicht zueinander, weil es − so mein Eindruck − vielen Wissenschaftlern schwerfällt, allgemeinverständlich zu kommunizieren, und weil nur wenige Journalisten mit dem Talent gesegnet sind, komplexe Themen, zu denen sie sich äußern, auch tatsächlich fachlich und geistig zu durchdringen. Ich habe Freude daran, hier Brücken zu bauen.

AHZ: Sie haben bis 2013 für den DZVhÄ das DZVhÄ Homöopathie.Blog redaktionell betreut. Wie waren Ihre Erfahrungen damit?

Claus Fritzsche: Ambivalent, um es ganz ehrlich zu sagen. Zunächst einmal ist der DZVhÄ als Verband die Autorität schlechthin, wenn es um Fragen der ärztlichen Homöopathie geht. Und zwar sowohl was das fachliche Wissen, die praktische therapeutische Erfahrung als auch die Selbstdarstellung in der Öffentlichkeit angeht. Das hat dem Blog viel Rückenwind geschenkt. Ein wichtiges Ziel des Blogs wurde hingegen nicht oder nur rudimentär erreicht: Es ging sowohl dem DZVhÄ als auch mir darum, im Internet einen fachlichen Dialog zwischen Wissenschaft und Homöopathie anzuregen. Genau wie es beispielsweise in meinen Interviews mit dem Physiker Dr. Stephan Baumgartner oder mit dem Biometriker Rainer Lüdtke ganz gut gelungen ist. Solche auf hohem fachlichem Niveau geführten Interviews kosten jedoch Geld, das zum Schluss nicht mehr zur Verfügung stand.

AHZ: Die Homöopathie wird im Internet vorwiegend von sogenannten „Skeptikern“ angegriffen. Wer versteckt sich hinter dem Begriff „Skeptiker“?

Claus Fritzsche: Das hat der Heidelberger Soziologe Dr. Edgard Wunder auf seiner inzwischen leider nicht mehr aktuellen Webseite www.skeptizismus.de fundiert erklärt. Sogenannte Skeptiker sind eine interessante Weltanschauungsgemeinschaft, die historisch als komplementäres Gegenstück zur New-Age-Bewegung entstand und in der seit ca. 5 Jahren atheistische Fundamentalisten den Ton angeben. Dieser Ton ist streng dogmatisch, zuweilen auch militant, selten gut gelaunt. In der „Skeptiker“-Bewegung, wie sie heute überwiegend im Internet ausgelebt wird, zeigen sich viele Verhaltensweisen, die denen von Fundamentalisten oder sogar politischen Extremisten sehr ähnlich sind. Alles dreht sich um Feindbilder und deren Bekämpfung. Ein wertschätzender und konstruktiver Dialog mit Andersdenkenden findet nicht statt. Die Art, wie Feindbilder bekämpft werden, ähnelt stark den Wahrnehmungs-, Denk- und Verhaltensweisen, die auch am äußersten politischen Rand − ob nun rechts oder links − etabliert sind, oder in dogmatischen ideologischen Gruppierungen. Ganz platt gesprochen versuchen „Skeptiker“, den Teufel mittels Beelzebub auszutreiben.

AHZ: Sie haben im Lauf der letzten Jahre umfassendes Wissen über die „Skeptiker“-Szene gesammelt. Können Sie etwas aus dem Nähkästchen plaudern, damit sich unsere Leser ein Bild von den Aktivitäten dieser Bewegung machen können?

Claus Fritzsche: Es gibt speziell 2 Aspekte, die ich interessant finde, die mit dem Internet zu tun haben und die einen Lern- bzw. Wachstumsimpuls vermitteln können. Das Internet bietet kleinen Gruppen die Möglichkeit, sich wie eine große Volksbewegung darzustellen. Wenn 80 Millionen Bürger schweigen, dann können schon 30 000 Twitter-Kurzmitteilungen von 20 Aktivisten mit jeweils 100 sogenannten Followern die Illusion einer großen Bewegung vermitteln. Das ist spannend. Es benötigt tatsächlich nur relativ wenige Aktivisten, die sich gut vernetzen und über mediale Steigbügelhalter in namhaften Redaktionen verfügen. Dieses Spiel beherrscht die „Skeptiker“-Bewegung exzellent. Sie verfügt über willige „journalistische Helfer“ in den Redaktionen von Stern, ZEIT, SPIEGEL, Süddeutsche Zeitung, 3sat, ZDF, Heise-Verlag etc., die rund um ideologisch aufgeladene Themen oftmals Meinungs- und Gesinnungsjournalismus betreiben. Überall dort, wo mit diesen Mechanismen gearbeitet und manipuliert wird, erinnert der Vorgang an das Aufblasen eines großen Luftballons, den man mit einem kleinen Nadelstich zum Platzen bringen kann. Es reicht aus, sich ebenfalls im Internet zu vernetzen und die manipulativen Mechanismen ganz einfach nur transparent zu machen. Damit verliert der Spuk seine „Zauberkraft“. Das geschieht jedoch viel zu selten, meist aus Sorge, in destruktive Auseinandersetzungen verwickelt zu werden. Die Kunst besteht meines Erachtens darin, Debatten aktiv und konstruktiv zu führen.

AHZ: Und welchen zweiten Aspekt finden Sie interessant?

Claus Fritzsche: Die Aktivitäten der „Skeptiker“-Szene haben meiner Meinung nach auch einen konstruktiven und sehr erfreulichen Effekt. Zur Strategie von Vereinen wie zum Beispiel der Gesellschaft zur wissenschaftlichen Untersuchung von Parawissenschaften (GWUP) e. V. gehört es, sich in der Öffentlichkeit als Gruppe darzustellen, die zweifelhafte Angebote und Ideologien mit wissenschaftlichem Anspruch hinterfragt. In der Praxis macht sie das nicht wirklich. Der große Bluff des Vereins GWUP fällt jedoch deshalb oftmals nicht auf, weil es tatsächlich eine ganze Menge zweifelhafter Angebote und Ideologien gibt, die von „Skeptikern“ vollkommen zu Recht infrage gestellt werden, und weil es unter Ärzten, Heilpraktikern, Verbänden, aber auch unter selbsternannten Experten und Universalgelehrten zu viele Menschen gibt, die mit Wissenschaft und wissenschaftlicher Forschungsmethodik auf Kriegsfuß stehen. Es gibt meines Wissens nur sehr wenige professionell gemachte Webseiten, die Aspekte der Homöopathieforschung seriös, fachlich fundiert und ohne schönfärbende oder PR-Elemente kommunizieren. Gäbe es mehr solcher Webseiten und würden Ärzte, Heilpraktiker, Verbände etc. regelmäßig auf solche Webseiten verweisen, sich aktiv und ergebnisoffen mit Forschungsfragen auseinandersetzen, dann würde sich daraus ein konstruktiver und effektiver Dialog auf Augenhöhe entwickeln, von dem alle Seiten profitieren könnten.

AHZ: Gibt es nicht eine ganze Reihe von Webseiten mit Informationen zur Homöopathieforschung?

Claus Fritzsche: Aus meiner Sicht findet eine aktive und ergebnisoffene Auseinandersetzung mit Forschungsfragen unter Homöopathen nur ganz selten statt. Oftmals sind Kommentare zu und Verweise auf Studien selektiv und fachlich nicht qualifiziert. Sie dienen in erster Linie der Rechtfertigung und Schönfärberei. Nichts anderes geschieht in der „Skeptiker“-Szene, hier nur mit negativen Vorzeichen.

AHZ: Sie werden auch häufig persönlich angegriffen. Wie kommen Sie damit zurecht?

Claus Fritzsche: Indem ich es nicht persönlich nehme und es als eine Realität des Internets akzeptiere. Der Blogger Sascha Lobo hat das Phänomen, um das es hier geht, treffend kommentiert („Netzhass ist gratis“, SPIEGEL ONLINE, 04.12.2012). Wer sich im Netz exponiert, der wird laut Sascha Lobo leicht zum Objekt von Menschen, die nicht mit dem Herzen kommunizieren und denen gewisse soziale Grundtechniken fremd sind. Hinzu kommt die alte Regel: „Wer austeilt, der muss auch einstecken können.“ Ich nehme im Netz ja auch kein Blatt vor den Mund und liebe die klare Aussprache. Das provoziert natürlich Reaktionen, für die ich selbst verantwortlich bin.

AHZ: Was kann die Homöopathie aus Ihrer Sicht tun, um ihr Standing in der Öffentlichkeit und besonders im Internet zu verbessern?

Claus Fritzsche: Ich vermute, homöopathisch arbeitende Ärzte und Heilpraktiker könnten ihre Position im Internet relativ schnell nachhaltig verbessern, wenn sie 3 Dinge machen würden, die ihnen bisher eher fremd sind:

1. Sie sollten dankbar für die Onlineaktivitäten der „Skeptiker“-Szene sein und anerkennen, dass sie von dieser Bewegung − trotz aller Destruktivität und vieler Übertreibungen − eine Menge lernen können. Die „Skeptiker“-Szene zeigt an, dass es hier irgendwo brennt. In solchen Fällen ist es wenig sinnvoll, sich über den Feuermelder zu beklagen oder diesen zu ignorieren. Besser wäre es, das Feuer zu löschen.

2. Sie sollten sich aktiv, fundiert und ergebnisoffen mit Wissenschaft, Forschungsmethodik, Studienlage, Wissenschaftskommunikation etc. beschäftigen und aufhören, die Öffentlichkeit mit ein paar Standardphrasen abzuspeisen. Dass „es wirkt“ und die „Wissenschaft mehr forschen muss“, ist im Jahr 2013 keine überzeugende Antwort mehr. Die Forschungslage sieht für die Homöopathie gar nicht so schlecht aus. Warum sind Homöopathen nicht in der Lage, das auch zu kommunizieren?

3. Sie sollten nach einem authentischen Weg suchen, um das Internet aktiver und professioneller als bisher zu nutzen und sich im Internet zu vernetzen. Google belohnt Aktivität und Vernetzung und bestraft Inaktivität und Einzelgängertum.

AHZ: Ende 2011 ist Ihr Weblog CAM Media Watch online gegangen. Worum geht es hier?

Claus Fritzsche: CAM Media.Watch ist, wie der Name schon sagt, ein Watchblog. Es analysiert Medienbeiträge zu CAM-Themen, überprüft als Fakten ausgegebene Behauptungen und spricht bei Bedarf auch journalistische Missstände an − spricht hier Klartext.

AHZ: Herr Fritzsche, wir danken Ihnen für das Interview!

Claus Fritzsche wurde 1964 in Marl, Nordrhein-Westfalen, geboren. Nach Abschluss eines BWL-Studiums und langjähriger Tätigkeit in der Industrie (Vertrieb & Marketing) arbeitet er seit 2003 als freier Texter, seit 2009 zusätzlich als Medizin- und Wissenschaftsjournalist. Sein Markenzeichen: hoch komplexe Sachverhalte leicht verständlich auf den Punkt bringen. Als Medizin- und Wissenschaftsjournalist hat sich Fritzsche auf die Themen Gesundheit aus ganzheitlicher Sicht, Komplementärmedizin und Forschung sowie Grenzbereiche der Psychologie spezialisiert. www.claus-fritzsche.de

Veröffentlicht unter Allgemein, Interview, Web 2.0 | Kommentare deaktiviert

Homöopathie und Plausibilitätsbias

Ein lesens- und auch bedenkenswert kritischer Beitrag von Prof. Harald Walach erläutert am Beispiel der Homöopathieforschung, was ein “Plausibilitätsbias” ist: Zum Beitrag

Veröffentlicht unter Forschung | Verschlagwortet mit , | Kommentare deaktiviert