Aktueller Bericht fasst den Stand der Forschung zur Homöopathie zusammen

In den letzten Tagen war im Kontext des deutschen Homöopathie-Kongresses ein großes Presseinteresse an der Homöopathie zu beobachten. Mehrere Leitmedien bezeichneten Homöopathie als „Hokuspokus“ oder „Scheintherapie“. Die Wissenschaftliche Gesellschaft für Homöopathie hat nun einen Bericht verfasst, der den Forschungsstand auf Basis der Daten aus internationalen Fachzeitschriften mit Peer Review-Verfahren zusammenfasst. Die wichtigsten Ergebnisse sind:

  1. Homöopathische Behandlung ist unter ärztlichen Alltagsbedingungen (Praxis) klinisch nützlich (Perspektive Versorgungsforschung).
  2. Auch hochwertige randomisierte klinische Studien zeigen spezifische Effekte, in denen Homöopathie dem Placebo überlegen ist (Perspektive Randomisierte Klinische Studien).
  3. Vier von fünf Metaanalysen zeigen eine statistische Überlegenheit der homöopathischen Arznei im Vergleich zu Placebo, allerdings ist die Anzahl hochwertiger Studien gering (Perspektive Metaanalysen).
  4. Auch in Experimenten mit Zellkulturen, Tieren und Pflanzen gibt es, mittlerweile reproduziert, Effekte, die eine spezifische Wirkung von Hochpotenzen zeigen (Perspektive Grundlagenforschung).
  5. Die Studienlage ist insgesamt nicht eindeutig beweisend, belegt aber hinreichend einen therapeutischen Nutzen. Mehr hochqualitative Forschung ist nötig, insbesondere Replikationen von positiven Studien.

Im Gegensatz zur mittlerweile emotional aufgeladenen Debatte, liegt mit diesem Forschungsbericht ein wichtiger Beitrag zur Versachlichung der Debatte auf der Basis von Daten vor.

Download des Berichtes: http://www.homoeopathie-online.info/wp-content/uploads/Der-aktuelle-Stand-der-Forschung-zur-Hom%C3%B6opathie-2016-WissHom.pdf

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„Der Glaube an die Globuli“ – eine kritische Rezension

Rezension von „Der Glaube an die Globuli. Die Verheißungen der Homöopathie. Hrsg. von Norbert Schmacke. suhrkamp medizinhuman. Suhrkamp Verlag, Berlin 2015“

Diese neu erschienene Streitschrift suggeriert dem Leser, dass Homöopathen „Alternativmediziner“  sind, die glauben, schwere Krankheiten wie Schlaganfälle und Krebserkrankungen allein durch Homöopathie zu heilen. Dabei sei die Homöopathie erwiesenermaßen eine Placebotherapie, für die es keine wissenschaftlichen Belege gäbe.  Homöopathen würden sich der Evaluation durch die evidenzbasierte Medizin entziehen, da sie davon überzeugt seien, dass der randomisierte kontrollierte Doppelblindversuch nicht zur Erfassung der Wirksamkeit der Homöopathie geeignet sei.  Außerdem würden Homöopathen einen autoritär-paternalistischen Stil der Kommunikation ausüben, da sie ihre Patienten nicht über die Placebofunktion ihrer Medikamente aufklärten. Der von den Autoren verortete Skandal bestände darin, dass diese Glaubensmedizin, ebenso wie die Anthroposophische Medizin, durch den Rechtsstatus als „Besondere Therapierichtungen“ geschützt seien und ihre Wirksamkeit daher nicht belegen müssten.  Die Autoren empfehlen als Rezept für eine bessere Medizin mehr partizipative Entscheidungsfindung und eine noch stärkere Evidenzbasierung der Medizin.

Die Zielsetzung dieser Schrift erschließt sich vor allem durch jene Inhalte, die die Autoren ausgelassen haben. Es sei an dieser Stelle daher erlaubt, der polarisierenden Perspektive dieses Buches einige sachliche Argumente entgegen zu setzen:

1. Homöopathische Ärzte sind Komplementärmediziner

Der allergrößte Anteil der knapp 10.000 Ärzte in Deutschland, die eine homöopathische Zusatzqualifikation haben, sind niedergelassene Haus- oder Fachärzte mit einem Kassensitz. Sie üben Homöopathie als eine zusätzliche Therapiemethode aus, die ihre konventionelle („schulmedizinische“) Therapie ergänzt. Ein Blick in das Arztverzeichnis auf der Homepage des DZVhÄ hätte genügt, um sich hiervon zu überzeugen. Den Typus des „Alternativmediziners“, der in seiner irrational-mythischen Glaubensüberzeugung nur Homöopathie und keine konventionelle Medizin betreibt, wie er hier von den Autoren Uwe Heyll und Norbert Schmacke geschildert wird, gibt es in dieser stark überspitzten Form allenfalls ausnahmsweise. Die meisten homöopathischen Ärzte versorgen ihre Patienten auch schulmedizinisch und wägen den Einsatz von Homöopathie und Schulmedizin sorgfältig gegeneinander ab.

2. Homöopathische Behandlungsindikationen sind chronische Erkrankungen wie allergische Rhinitis und Neurodermitis

Homöopathische Behandlungsindikationen sind in der übergroßen Mehrheit ambulant behandelte chronische Erkrankungen, bei denen die konventionelle Behandlung als defizitär oder als zu nebenwirkungsreich empfunden wird. Dies sind vor allem allergische Rhinitis, Kopfschmerzen und Neurodermitis (vgl. hierzu eine Kohortenstudie mit 3981 Patienten: http://www.biomedcentral.com/1471-2458/5/115). Schlaganfälle oder Krebserkrankungen stellen eher Ausnahmen dar. Bei diesen schweren Erkrankungen erfolgt eine homöopathische Behandlung, falls sie überhaupt erfolgt, sekundär zur konventionellen, z.B. um Nebenwirkungen zu mildern oder die Lebensqualität zu verbessern.

3. Die Evidenz

Eine Überraschung an diesem Buch ist die Tatsache, dass die Evidenz für die Behauptung, dass homöopathische Arzneimittel Placebos sind, gar nicht auf der Basis von wissenschaftlichen Daten aus Studien dargestellt und diskutiert wird. Die Autoren verzichten auf eine entsprechende Darstellung und Diskussion und verweisen unter anderem darauf, dass dies ja schon in dem Buch „Die Homöopathie-Lüge: So gefährlich ist die Lehre von den weißen Kügelchen“ dargestellt und in einem australischen HTA aufgearbeitet sei. Dass die Autoren (als Wissenschaftler) hier auf eine populistische Streitschrift als wissenschaftlich umfassende Referenz verweisen, ist ungewöhnlich. Zumal dem Autoren Norbert Schmacke Forschungsdaten der Homöopathie bekannt sind: In einer Studie zur Homöopathie von 2010, die er hauptverantwortlich publizierte, schreiben Schmacke et al.:

„Für einige wenige Erkrankungen konnten Wirksamkeitsnachweise erbracht werden: Nach dem derzeitigen Stand der Forschung liegt für die Indikationen Heuschnupfen, Durchfall bei Kindern, Weichteilrheuma, Darmlähmung nach Operation und Atemwegsinfektionen ein Wirksamkeitsnachweis vor.“ (Stamer M, Müller VE, Berger B, Schmacke N. Perspektiven von Patientinnen und Patienten auf ihre Versorgung durch homöopathisch tätige Ärzte und Ärztinnen – Eine qualitative Studie. Abschlussbericht. Bremen 2010. S.12. Abgerufen am 13.11.2015,  unter: http://www.akg.uni-bremen.de/pages/arbeitspapierBeschreibung.php%3FID=28&SPRACHE=DE.html).

Wie passt dieses Zitat von 2010 nun zu der Aussage des Autors, dass es überhaupt keine Belege für eine Wirksamkeit der Homöopathie gibt?

Auch nennen Schmacke et al. nicht einmal die fünf bisher publizierten umfassenden Metaanalysen zur Homöopathie (von denen vier Metaanalysen ein statistisch positives Ergebnis zu Gunsten der Homöopathie erbrachten, auch wenn diese, wie zu erwarten, wegen fehlender Plausibilität kritisch diskutiert werden).

Dass Homöopathen Wirksamkeitsevaluationen und klinische Forschung nicht ablehnend, sondern sogar befürwortend gegenüberstehen, verdeutlicht die Tatsache, dass zum Zeitpunkt November 2015 auf der weltweit umfangreichsten Datenbank zur Homöopathie CORE-Hom bereits 1117 klinische Studien zur Homöopathie erfasst sind. Die meisten davon wurden von homöopathischen Ärzten durchgeführt. Schmacke et al. hätten sich hier umfassend und kostenfrei mit der primären Datenlage auseinandersetzen können. Auch die Gründung der Homöopathie-Stiftung und der WissHom (Wissenschaftliche Gesellschaft für Homöopathie) sind in diesem Kontext als Zeichen der fortschreitenden wissenschaftlichen Professionalisierung der homöopathischen Ärzte zu deuten. Homöopathen sind sicher nicht als forschungsfeindlich zu betrachten.

4. Die Placebo-Hypothese

Die nach wie vor umfassendste Metaanalyse von Linde et al. 1997 konstatierte zur Vermutung, dass die homöopathische Arzneitherapie eine Placebotherapie sei:

„The results of our meta-analysis are not compatible with the hypothesis that the clinical effects of homeopathy are completely due to placebo.“  (http://www.thelancet.com/journals/lancet/article/PIIS0140-6736%2897%2902293-9/abstract).

Diese Schlussfolgerung ist auch heute noch gültig, wie der schwedische Wissenschaftler Hahn 2013 in einem Review berichtet (http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/24200828).

Selbstverständlich spielt der Placeboeffekt auch in der klinischen Homöopathie eine Rolle. Eine neuere Metaanalyse von 2014 zur klassischen individualisierenden Einzelmittel-Homöopathie kommt jedoch auch hier zur Schlussfolgerung:

„Medicines prescribed in individualised homeopathy may have small, specific treatment effects.“ (http://www.systematicreviewsjournal.com/content/3/1/142). Auch wenn Schmacke et al. diese Daten vermutlich für nicht plausibel halten – zur wissenschaftlichen Redlichkeit gehört auch, sich mit konträren Positionen und Daten auseinanderzusetzen. Hiervon erfährt der Leser jedoch nichts.

5. Arzt-Patienten-Kommunikation

Schmacke attestiert den Homöopathen, sich ihren Patienten gegenüber autoritär-paternalistisch zu verhalten. Der gleiche Autor Schmacke beschreibt in seiner eigenen Forschungsarbeit von 2010 dagegen auch entgegengesetzte und positive Aspekte des homöopathischen Therapiesettings, durchaus auch im Sinne einer partizipativen Entscheidungsfindung (Stamer M, Müller VE, Berger B, Schmacke N. Perspektiven von Patientinnen und Patienten auf ihre Versorgung durch homöopathisch tätige Ärzte und Ärztinnen – Eine qualitative Studie. Abschlussbericht. Bremen 2010. Abgerufen am 13.11.2015 unter: http://www.akg.uni-bremen.de/pages/arbeitspapierBeschreibung.php%3FID=28&SPRACHE=DE.html):

„Basierend auf schulmedizinisch orientierten diagnostischen und therapeutischen Empfehlungen suchen Patienten und Patientinnen Beratungsmöglichkeiten – verstanden im Sinne einer ärztlichen Entscheidungsbegleitung – im Kontext homöopathisch-ärztlicher Versorgung auf. Dabei wird beispielsweise erörtert, wie bisherige Perspektiven durch Einholung ergänzender Informationen erweitert werden können, um auf diesem Wege die Auseinandersetzung mit der Entscheidungsgestaltung zu befördern. Die Herangehensweise offenbart den Patienten und Patientinnen die Gelegenheit aktiver Mitgestaltung ihrer Versorgungssituation. Werden sie selbst aktiv und suchen das Gespräch mit ihren homöopathisch tätigen Ärzten/Ärztinnen, kann sich mittels dieser Aktivität ein Gefühl der Handlungsautonomie entlang individuell gestalteter Verknüpfung von Schulmedizin und ärztlicher Homöopathie entfalten.“ (S.124-125)

„Durch den Kontakt mit homöopathischen Herangehensweisen wurden bei den InterviewpartnerInnen einige Veränderungsprozesse in Gang gesetzt. So wird z.B. von einer größeren Gelassenheit im Umgang mit Erkrankungen gesprochen oder davon, dass das Vertrauen in die eigene Einschätzung gestiegen ist. Die homöopathische Behandlung und/oder die jeweilige homöopathische ÄrztIn haben dazu beigetragen, dass Krankheitsängste reduziert wurden. Dabei erscheint quasi das gesamte homöopathische Setting entdramatisierend: eine Wohnzimmeratmosphäre im Wartezimmer, das Anbieten von Getränken oder eine persönliche Begrüßung vermitteln, dass PatientInnen sich hier in einer Alltags- und nicht in einer Ausnahmesituation befinden. Auch die vorsichtige Annäherung an die Krankheitsdiagnose und eine Vorgehensweise, die erst einmal von einer nicht bedrohlichen Erkrankung ausgeht, tragen dazu bei, Ängste zu reduzieren und das Vertrauen darauf, dass der Körper eigenständig mit einer Erkrankung fertig wird, zu bilden oder zu vergrößern. Die Ermunterung zur Selbstbehandlung und die Unterstützung dabei durch die ÄrztInnen wurden als Zuwachs von Autonomie und Selbständigkeit erlebt.“ (S. 118-119)

Schmackes Forschungsergebnisse von 2010 stehen auffällig im Gegensatz zu den Aussagen im aktuellen Buch. Warum verschweigt der Autor seine eigenen Studienergebnisse an dieser Stelle?

6. Besondere Therapierichtungen

Schmacke kritisiert, dass für komplementäre Therapien der juristische Schutz der „Besonderen Therapierichtungen“ besteht. Dabei geht er nicht darauf ein, dass für traditionelle und komplementäre Therapien bei Einführung des Gesetzes andere Grundvoraussetzungen vorlagen als für die Einführung neuer Arzneimittel in den Markt. Während eine neue Arznei vor Markteinführung umfassend auf Nutzen und Risiken überprüft werden muss, werden komplementäre und traditionelle Therapien eben schon seit langem angewendet und von der Bevölkerung genutzt. So ergeben sich vollständig andere wissenschaftlichen Evaluationsmodelle und -abfolgen, wie ein Artikel von Claudia Witt im Deutschen Ärzteblatt aufzeigt (http://www.aerzteblatt.de/treffer?s=komplement%E4rmedizin&s=willich&wo=17&typ=16&aid=65947):

„Komplementärmedizinische Therapiesysteme werden oft schon seit Jahrhunderten angewendet und waren schon verfügbar, bevor die heutigen Standards klinischer Forschung entwickelt wurden. Zusätzlich fehlen systematische Daten über die aktuellen Versorgungsstrukturen – das schließt das Diagnose- und Therapiespektrum ein. Anders folgt die Entwicklung eines neuen Medikaments in der konventionellen Medizin in systematisch aufeinander aufbauenden Phasen. Eine Überlegenheit über Placebo ist zu belegen, bevor ein Vergleich zur Standardtherapie oder gar Versorgungsforschung durchgeführt werden kann. Aufgrund der historischen Entwicklung wird für die Komplementärmedizin eine umgekehrte Forschungsfolge als sinnvoll erachtet.“

Die komplementären Methoden sollten aus pragmatischer Sicht zunächst ihre Sicherheit belegen und dann erst ihren Nutzen. Genau dies erfolgt aber seit etwa 25 Jahren in zunehmendem Maße in der Komplementärmedizin und eben auch in der Homöopathie, was sich mit der wissenschaftlichen Forschungsliteratur zur Homöopathie durch eine Pubmed Recherche oder die Suche in der CORE-Hom Datenbank gut nachvollziehen lässt.

Fazit

Das Buch polarisiert bewusst und ist als Streitschrift zu verstehen, die sich – am Beispiel der Homöopathie und Anthroposophischen Medizin – gegen die Sonderstellung der „Besonderen Therapierichtungen“ richtet. Beispiele für unsachliche Argumentation: Den Typus des „Alternativmediziners“, der in seiner irrational-mythischen Glaubensüberzeugung nur Homöopathie und keine konventionelle Medizin betreibt, wie er von den Autoren geschildert wird, gibt es in dieser stark überspitzten Form nur ausnahmsweise. Die meisten homöopathischen Ärzte arbeiten dagegen komplementär zur konventionellen Medizin. Hauptindikationen der homöopathischen Behandlung sind (nach Studienlage) allergische Rhinitis, Kopfschmerzen und Neurodermitis, nicht jedoch Schlaganfälle und Krebserkrankungen, wie von den Autoren suggeriert wird. Die Evidenz für die Behauptung, dass homöopathische Arzneimittel Placebos sind, wird in dem Buch nicht auf der Basis von wissenschaftlichen Daten aus Studien dargestellt und diskutiert. Norbert Schmacke berichtet auch nicht seine eigenen Forschungsergebnisse von 2010, die seiner nun geäußerten Behauptung, Homöopathen pflegten einen autoritär-paternalistischen Kommunikationsstil, entgegenstehen.

Eine Versachlichung im Sinne eines wissenschaftlichen Diskurses liegt somit offensichtlich nicht in der Zielsetzung dieses Buches, wäre für zukünftige Diskussionen jedoch wünschenswert.

Links

Auch der DZVhÄ (Deutscher Zentralverein homöopathischer Ärzte) hat mittlerweile Stellung genommen unter der Überschrift: Der Glaube an Globuli: „weder neu noch stichhaltig. Darin widerlegt der Medizinhistoriker Prof. Robert Jütte einige in Schmackes Buch enthaltene Behauptungen.

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Homöopathie – ist sie Nanomedizin?

Dieser interessante Übersichtsartikel fasst die von der indischen Regierung geförderte Forschung des indischen Physikers Papiya Nandy zusammen, der untersucht hat, ob wirklich bei Hochpotenzen „nichts drin“ ist?

Was er über Jahre herausgefunden hat, ist spannend und weitestgehend unbekannt: Link

 

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Should doctors recommend homeopathy?

Unter diesem Motto stellen Peter Fisher und Edzard Ernst ihre kontroversen Positionen im British Medical Journal dar. Und der Leser darf mit abstimmen…: http://www.bmj.com/content/351/bmj.h3735

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Homöopathie und Fluoxetin wirksam bei Depressionen in den Wechseljahren

In einer neuen randomisierten placebo-kontrollierten Doppelblindstudie wurden mexikanischen Frauen mit mittleren bis schweren Episoden einer Majoren Depression in den Wechseljahren per Zufall drei Gruppen zugeteilt:

  • Gruppe 1 erhielt eine individualisierte homöopathische Therapie mit C-Potenzen in alkoholischer Lösung zur täglichen Einnahme und das Placebo (optisch wie Antidepressivum Fluoxetin),
  • Gruppe 2 erhielt täglich 20 mg des Antidepressivums Fluoxetin und ein Placebo (alkoholische Lösung, wie homöopathische Arznei),
  • Gruppe 3 enthielt beide Placebos.

Der klinische Erfolg wurde auf der Hamilton Rating Scale of Depression (von verblindeten Psychologen), auf Becks Depressions-Inventar (vom Patienten) und auf der Green Climacteric Scale (Patient) nach 4 und 6 Wochen erhoben.

133 Patientinnen nahmen teil. Das Ergebnis zeigte eine signifikante und klinisch relevante Verbesserung der Depression auf der Hamilton Rating Scale unter Homöopathie und Fluoxetin, nicht jedoch unter Placebo.  54,5 % der Patienten in der Homöopathie-Gruppe zeigten nach 6 Wochen eine mindestens 50 % Reduktion ihrer Beschwerden, unter Fluoxetin 41,3 % und unter Placebo 11,6 %. Klimakterische Beschwerden wurden nur unter der Homöopathie gebessert. Keine Gruppenunterschiede zeigten sich im Becks Depressions-Inventar, dies führen die Autoren darauf zurück, dass viele der eingeschlossenen Patienten nicht oder unzureichend lesen können und möglicherweise den Fragebogen nicht verstanden hätten.

Die Autoren schlussfolgern, dass Homöopathie  und Fluoxetin innerhalb von 6 Wochen wirksam in der Behandlung der Majoren Depression sind.

Link:

Macías-Cortés Edel C, Llanes-González L, Aguilar-Faisal L, Asbun-Bojalil J. Individualized homeopathic treatment and fluoxetine for moderate to severe depression in peri- and postmenopausal women (HOMDEP-MENOP study): a randomized, double-dummy, double-blind, placebo-controlled trial. PLoS One. 2015 Mar13;10(3)

 

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Harald Walach kommentiert die neue Metaanalyse

Sehr informativ wird von Harald Walach auf seinem Blog die aktuelle Metaanalyse zur Homöopathie von Robert Mathie und Kollegen kommentiert. Neben seiner Einschätzung der Bedeutung und Aussagefähigkeit dieser Studie erfährt man beim Lesen noch einiges über allgemeine Aspekte von Statistik, Effektstärken und Metaanalysen. Zum lesenswerten Beitrag geht es hier.

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Neue Metaanalyse: Individualisierte Homöopathie signifikant besser als Placebo

Eine neue und aktuelle Metaanalyse zur Homöopathie von Robert Mathie und Kollegen liegt vor: Es handelt sich um die mittlerweile 5. Metaanalyse zur Wirkung homöopathischer Arzneimittel.

Metaanalysen fassen die Ergebnisse vieler Studien statistisch zusammen und treffen damit eine Aussage über die Wirksamkeit einer Therapie, so wie sie sich in den eingeschlossenen Studien darstellt.

Bisherige Metaanalysen zur Homöopathie:

Autor Jahr Kernbotschaft
Kleijnen et al. 1991 „Positive Evidenz homöopathischer Therapie, aber geringe Qualität der Studien“
Linde et al. 1997 „Klinische Effekte der Homöopathie beruhen nicht alleine auf Placeboeffekten“
Cucherat et al. 2000 „Homöopathie effektiver als Placebo, Evidenz bei geringer methodologischer Qualität gering“
Shang et al. 2005 „Klinische Effekte der Homöopathie sind Placeboeffekte“
Mathie et al. 2014 „Individualisierte Homöopathie kann kleine, aber spezifische Therapieeffekte haben“

Was unterscheidet die neue Metaanalyse von den bisherigen?

  • Es handelt sich um die aktuellste und bisher umfangreichste Literaturrecherche, die auch Datenbanken einschließt, die bisher nicht berücksichtigt wurden bzw. nicht verfügbar waren.
  • Ausschließlich Studien zur individualisierten Homöopathie (sog. Einzelmittel-Homöopathie“ oder „klassische“ Homöopathie) wurden eingeschlossen. Dies war bisher nicht der Fall.
  • Die Heterogenität der ausgewählten Studien wurde in der statistischen Analyse in besonderer Weise berücksichtigt.
  • Die Studien wurden anhand eines vorab veröffentlichten Protokolls ausgewertet und auch bezüglich des Risikos beurteilt, einen Bias zu enthalten.

Welche Ergebnisse beschreibt die neue Metaanalyse?

  • Es wurden randomisierte und doppelt verblinde Studien, die individualisierte Homöopathie gegen Placebotherapie vergleichen, ausgewertet.
  • Vollständige Datensätze aus 22 der insgesamt 32 identifizierten Studien konnten in die Analyse einbezogen werden.
  • Es wurden insgesamt 24 Diagnosen behandelt. Im Durchschnitt nahmen 43,5 Teilnehmer an den Studien teil, es wurden insgesamt 28 Outcomeparameter in allen Studien erhoben.
  • Für alle 22 Studien ergab sich eine Überlegenheit der Homöopathie gegenüber Placebo (Odds Ratio 1,53 – 95% Konfidenzintervall 1,22 – 1,91; p < 0,001).
  • Es gab keine Hinweise auf einen Publication Bias im Funnel Plot, die statistische Heterogenität war gering.
  • Die Autoren schließen aus ihrer Analyse, dass Arzneien, die auf der Basis einer individualisierten homöopathischen Arzneifindung verschrieben werden, einen kleinen, aber spezifischen Therapieeffekt haben.

Welche Bedeutung hat die neue Metaanalyse?

Es wird hier methodisch fundiert belegt, dass die bisherigen Studien zur individualisierenden Homöopathie einen Therapieeffekt aufweisen, der den sogenannten Placeboeffekt übersteigt. Die Arbeit legt somit nahe, dass es eine spezifische Wirkung homöopathischer Arzneimittel gibt. Zwar weist diese im Vergleich zu Placebos nur einen kleinen zusätzlichen Effekt auf, dieser ist jedoch statistisch signifikant.

Zum Volltext der neuen Metaanalyse

 

Literatur

Kleijnen J, Knipschild P, ter Riet G: Clinical trials of homoeopathy. BMJ 1991, 302:316–323 http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC1668980/

Cucherat M, Haugh MC, Gooch M, Boissel JP: Evidence of clinical efficacy of homeopathy. A meta-analysis of clinical trials. HMRAG. Homeopathic Medicines Research Advisory Group. Eur J Clin Pharmacol 2000, 56:27–33 http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/10853874

Linde K, Clausius N, Ramirez G, Melchart D, Eitel F, Hedges LV, Jonas WB: Are the clinical effects of homeopathy placebo effects? A meta-analysis of placebo-controlled trials. Lancet. 1997;350(9081):834-43  http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/9310601

Shang A, Huwiler-Müntener K, Nartey L, Jüni P, Dörig S, Sterne JA, Pewsner D, Egger M: Are the clinical effects of homoeopathy placebo effects? Comparative study of placebo-controlled trials of homoeopathy and allopathy. Lancet  2005 Aug 27-Sep 2;366(9487):726-32 http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/16125589

Mathie RT, Lloyd SM, Legg LA, Clausen J, Moss S, Davidson JR, Ford I: Randomised placebo-controlled trials of individualised homeopathic treatment: systematic review and meta-analysis. Syst Rev. 2014 Dec 6;3(1):142 http://www.systematicreviewsjournal.com/content/3/1/142/abstract

Die kritische Auseinandersetzung der Carstens-Stiftung mit dieser Studie finden Sie hier.

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Sind homöopathische Arzneien Nano-Stressoren?

Teil 3 und Abschluß der Serie zum ‘Nanoparticle-Cross-Adaption-Sensitization Model’ von Iris Bell

(Teil 1, Teil 2)

Nachdem es im vorigen Blog Beitrag zum ‘Nanoparticle-Cross-Adaption-Sensitization Model’ von Iris Bell um das Vorkommen von Nanopartikeln (NP) in homöopathischen Arzneien ging, geht es hier um die Frage wie diese eine Selbstheilungsreaktion des Organismus bewirken könnten. Frau Bell sieht mögliche Antworten in den katalytischen Eigenschaften von NP, die auch in Konzentrationen von einem Nanomol(10-9) signifikante biologische Effekte bewirken würden. Zudem könnten die „Nanoblasen“, in denen sich die Nanopartikel befinden, die biologische Wirkung verstärken. Homöopathisch verabreicht könnten, laut Bell, potenzierte Arzneien Anpassungsreaktionen des autoregulativen Stressreaktions- Netzwerkes bewirken, nachdem sie vom Organismus als Stressor identifiziert wurden.

Das dabei verwendete Stresskonzept (2,3) ist den Meisten wohlbekannt: Der Körper passt sein inneres Milieu (Homöostase) ständig an die äußeren Umweltbedingungen an, der Begriff „Allostase“ (Erhalt von Stabilität durch Wandel) bezeichnet diesen Vorgang, der im Laufe der Zeit zu einer individuellen von der Beanspruchung abhängigen „allostatischen Last“ führt, eine Folge der ständigen Anpassungsvorgänge. Der Stressauslöser wird als „Stressor“ bezeichnet, dieser kann physikalischer, chemischer oder psychosozialer Natur sein. Die durchaus spezifische Reaktion   des Organismus wird als „Stressreaktion“ bezeichnet. Alltagsverständlich ausgedrückt: Der smogbelastete Mensch aus Shanghai, der Kettenraucher, der Extremsportler und der Stubenhocker benötigen gänzlich andere körperliche Anpassungsreaktionen und haben entsprechend andere „Abnutzungen“ auf ihre individuellen Belastungen im Laufe des Lebens auf psychologischer, immunologischer und zellulärer Ebene entwickelt. Entsprechend werden sie ggf. auch andere Erkrankungen entwickeln.

Im weiteren geht Frau Bell auf die Toxizität einzelner Nanopartikel ein, diese bestünde bei den meisten in hoher Dosis, bei einigen auch bei sehr niedrigen Dosen. Sie würden mit der Entstehung einzelner Krankheiten in Verbindung gebracht und könnten Entzündungsreaktionen auslösen. Es sei davon auszugehen, dass deshalb, unabhängig von der Quelle des Nanopartikels, der Organismus auf diese potentielle Bedrohung reagiere. Je besser die Nanopartikel in den homöopathischen Arzneien als Stressorsignal zur individuellen „allostatischen Last“ passten, desto eher handele es sich um die Simillimum Arznei. Der Wirkort der Arznei wäre kein lokaler Rezeptor, sondern der Organismus als Gesamtsystem reagiere. Relevant für die Anpassungsvorgänge wären die niedrige Dosis und der Zustand des Organismus zum Zeitpunkt der Arzneigabe.

Die Individualität von Stressreaktionen ist ein entscheidender Aspekt der gegenwärtigen Stresskonzepte. Der individuelle Organismus reagiert auf Grund seiner Vorgeschichte qualitativ und quantitativ sehr individuell mit einer Anpassungsreaktion auf äußere und innere Reize.

Die Dosen der Nanopartikel in den Untersuchungen von Chikramane bewegten sich im Bereich von 8-7000 Pikogramm/ml (10-12). Auch die Silizium Konzentrationen in den homöopathischen Arzneien seien nur im Mikromolarbereich gewesen, so dass allgemein nicht von einer Gefährdung durch die Nanopartikel in homöopathische Arzneien ausgegangen werden könne, laut Bell.

Wie also könnten dann die Nanopartikel in homöopathischen Arzneien Reaktionen des Organismus auslösen, wenn die Dosis in der Regel zu niedrig sei? Dies sei möglich durch Hormesis.

Das Phänomen Hormesis beschreibt die zeitabhängige Anpassungsreaktion von biologischen Organismen auf Stress (durch alle denkbaren Arten von Stressoren wie z.B. auch Gifte) in Abhängigkeit von der Intensität. Diese Beziehung ist nicht linear, sondern biphasisch. Bedeutet, dass immer mehr Stress (z.B. Hitze, Kälte) nicht eine immer stärkere Reaktion zur Folge hat, sondern dass ab einem bestimmten Maß der Organismus weniger reagiert, z.B. wenn die Schädigung zu groß ist.

Hormesis_komplett

Unterschieden wird zwischen einer präkonditionierten – und einer postkonditionierten Hormesis, dabei werden zweimal Stressreize gesetzt und die letztendliche Schädigung verglichen.

Bei der präkonditionierten Hormesis wird erst leicht gestresst, dann stark. Dabei zeigt sich, dass eine Stimulation durch eine niedrigere Stressdosis vor intensivem Stress einen protektiven Effekt hat, der Schaden ist geringer als bei intensivem Stress allein. Erfolgt die niedrigere Stressdosis im Anschluß an den starken Stress spricht man von einer postkonditionierten Hormesis. Weiterhin unterscheidet man zwischen homolog bei gleichartigem und heterolog (Bell nennt dies auch „cross adaption“- Kreuzadaptation) bei unterschiedlichem Stressreizen. 

Van Wijk und Wiegant (4,5) haben in den vergangenen gut 20 Jahren eine Vielzahl von Versuchen mit Zellkulturen zur postkonditionierten Hormesis durchgeführt. Untersucht wurden dabei Reparaturproteine (Hitze- Schock Proteine, HSP), deren Konzentration ein direktes Maß für den Gesundungsverlauf einer Zelle nach Stress darstellen. Je nach Stress (Schädigungsart) ergibt sich ein spezifisches Muster an Reparaturproteinen. Van Wijk und Wiegant konnten z.B. zeigen, dass eine Konzentration von 100 uM Arsen eine Störung der Zellregeneration bewirkt. Deutlich wurde auch, dass die Zellen direkt nach der Schädigung eine sehr hohe Sensitivität gegenüber Arsen entwickelten. Stresst man nun die Zelle mit der gleichen Dosis stirbt die Zelle schnell ab. Im Gegensatz dazu stieg die Bildung von Reparaturproteinen nach Gabe von Arsen in niedrigeren Dosen von 1uM bis 10 uM sprunghaft an und der Gesundungsverlauf war sehr positiv. Wurden hingegen gesunde Zellen mit diesen niedrigen Konzentrationen gestresst, war keine Veränderung der Konzentration von Reparaturproteinen festzustellen. Diese Versuchsreihe entsprach einer homologen postkonditionierten Hormesis.

In weiteren Untersuchungen wurde die heterologe postkonditionierte Hormesis untersucht. Ausgangspunkt war erneut das spezifische Muster an Reparaturproteinen, das durch einen initialen Stress in Form von Hitze ausgelöst wurde. Es zeigte sich, dass die Substanz, die in geringer Dosis verabreicht das ähnlichste Muster an Reparaturproteinen zeigte, den besten Heilungsverlauf bewirkte. Dieser ging über die Gesundungsreaktion bei einer homologen postkonditionierten Hormesis hinaus. Van Wijk deutete dies als einen Hinweis für die Validität der Simile Regel auf zellulärer Basis.

Durch die verstärkte Bioverfügbarkeit seien laut Bell die Dosen für Nanopartikel, die für eine positive hormetische Wirkung notwendig seien, noch geringer als für anderweitige Substanzen bekannt. Ihre Wirkung könnte als eine heterologe postkonditionierte hormetische Wirkung verstanden werden. Das Muster der Schädigung der allostatischen Last des Organismus würde durch eine Substanz, die ein vergleichbares Muster an Schädigung erzeugen kann, in Richtung Gesundungsreaktion angestoßen.

Als letztes Puzzlestück in ihrem Modell bezieht sich Frau Bell auf die „Zeitabhängige Sensibilisierung“ (Time- Dependent Sensitization, TDS). Bell hält es für möglich, dass durch den Nano- Stress Veränderungen im Bereich der neuronalen Meta- Plastizität indiziert werden, die eine sich zunehmend verstärkende Gegenreaktion des Organismus bewirken. Ein häufig bestätigtes Beispiel dafür sei dabei der Prozess der „Zeitabhängigen Sensibilisierung“, bei dem der Organismus auf eine einmalige Konfrontation mit einem Stressor eine über die Zeit zunehmend starke Reaktion zeigt. Die Reaktion auf die erneute Konfrontation mit dem gleichbleibenden Stressor ist ebenfalls verstärkt. Dieses Phänomen finde sich in zahlreichen Organisationsebenen eines Organismus, und könne durch vielfältige Stressoren ausgelöst werden. Dies würde erklären warum die homöopathischen Arzneien auch bei seltener Gabe im Abstand von mehreren Wochen Selbstheilungsprozesse aktivieren könnten. Auch bei Arzneistoffen ist dieses Phänomen bestätigt worden, eine Gabe von Psychopharmaka, die nicht täglich sondern nur im Abstand von mehreren Wochen erfolgte, hatte den gleichen oder bessere Erfolge. (1)

Fassen wir es nochmal zusammen: In homöopathischen Arzneien sind Nanopartikel der Ausgangssubstanz und von Silizium aus den Glaswänden. Diese werden vom Organismus bei einem Kontakt als relevanter und bedrohlicher Stressor bewertet. Passt die vom Nanopartikel induzierte Schädigung zum bestehenden Schädigungsmuster der allostatischen Last, kann dadurch eine Heilungsreaktion im Sinne einer postkonditionierten heterologen Hormesis ausgelöst werden. Verstärkt wird diese Heilungsreaktion durch eine „Zeitabhängige Sensibilisierung“, die durch Einzelgaben der Arznei in längeren Abständen ausgelöst wird.

Unser Fazit: Frau Bell hat in ihrem Modell Forschungsergebnisse der homöopathischen Grundlagenforschung mit modernen Erkenntnissen von Nanomedizin und Stressmodellen zu einem harmonischen Ganzen zusammengefügt. Das Modell betrachtet Homöopathie als eine materielle und arzneiliche Therapie, die durch einen spezifischen Stressreiz den Organismus zu einer Selbstheilungsreaktion anregt. Damit ist es zumindest von der grundlegenden Idee dem ursprünglichen Selbstverständnis der Homöopathie als einer Reiz- und Reaktionstherapie nahe. Quantenmechanische Modelle, die „Imprint Theorie“ und ein Gedächtnis des Wassers sind nicht Bestandteil des Modells. Den Durchbruch zur Anerkennung der Homöopathie wird es nicht bewirken, aber wir sind auf Forschungsergebnisse zu diesem Modell in der Zukunft gespannt.

 Literatur

Literatur Iris Bell und Chikramane siehe Teil 1

Website von Iris Bell

(1) Antelman SM, Levine J, Gershon S: Time dependent sensitization: the odyssey of a scientific heresy from the laboratory to the door oft he clinic. Molecular psychiatry 2000;5:350-356. http://www.joseph-levine.co.il/wp-content/uploads/2009/04/time-dependent-sensitization.pdf

(2) Esch T: Gesund im Stress: Der Wandel des Stresskonzepts und seine Bedeutung für Prävention, Gesundheit und Lebensstil. Gesundheitswesen 2002; 64: 73-81

(3) Esch T: Stress, Anpassung und Selbstorganisation: Gleichgewichtsprozesse sichern Gesundheit und Überleben. Forschende Komplementärmedizin 2003; 10:330-341

(4) Van Wijk R, Wiegant F: Homöopathie in der aktuellen Forschung: Simile-Prinzip experimentell bestätigt? Allgemeine homöopathische Zeitung 1996; 241:56-61

(5) Van Wijk R, Wiegant F: Postconditioning Hormesis and the Homeopathic Similia Principle: Molecular Aspects. Biological Effects of Low Level Exposures Newsletter: 2010; 16:45-50.

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Schwache Argumente gegen die sanfte Medizin: Ein kritischer Blick auf den Homöopathie-Artikel in Wikipedia

Dana Ullman, ein bekannter Autor und Verleger homöopathischer Bücher in den USA, traf im April dieses Jahres zufällig Jimmy Wales, den Mitbegründer von Wikipedia, in Vancouver auf der Straße. Er nutzte die Gelegenheit und sprach ihn auf Ungereimtheiten im englischsprachigen Wikipedia–Artikel zur Homöopathie an. Wales bat ihn, seine Unzufriedenheit schriftlich darzulegen. Das hat Ullman nun in beeindruckender Art und Weise in der Onlinezeitung „The Huffington Post“ getan.

Ullman zitiert zunächst den ersten Abschnitt der englischsprachigen Wikipedia-Seite, in dem die Homöopathie definiert wird, und untersucht diesen bezüglich der Argumentationslinie und der zitierten Referenzen. Die englischsprachige Wikipedia Seite unterscheidet sich bezüglich der Einseitigkeit der „Anti-Homöopathie“ Haltung nicht von der deutschen Seite, auch hier werden „Pro-Homöopathie“ Autoren nicht zugelassen oder der ganze Artikel ist für Ergänzungen blockiert.

 Im Artikel wird Homöopathie als „Pseudowissenschaft“ bezeichnet, deren Arzneien nicht wirksamer seien als Placebos. Ullman weist in der Folge auf einige klinische Studien hin, die in anerkannten medizinischen Zeitschriften mit Peer-Review-Verfahren veröffentlicht wurden, und die eine über Placebo hinausgehende Wirksamkeit aufzeigen konnten. Wie kann eine „Pseudowissenschaft“ solche Evidenz kreieren, fragt sich Ullman zu Recht. Ironischerweise verweisen die Wikipedia-Autoren auf nicht annähernd so gute Quellen. Einzig die viel zitierte Metaanalyse von Shang et al., die das Ende der Homöopathie verkünden wollte, ist in einem hochrangigen medizinischen Journal (Lancet) erschienen. Die statistische Herangehensweise der Autoren wurde, wie auch schon in unserem Blog zu lesen ist, von Lüdtke und Rutten eindrucksvoll kritisiert und taugt somit nicht mehr als Totschlag-Argument gegen die Homöopathie.

 Weiter zitiert Ullman den dritten Abschnitt aus Wikipedia: Hier geht es wieder um klinische Evidenz und um das zugrundeliegende Modell für die Wirkung homöopathischer Arzneien, das Wikipedia als „nicht plausibel“ und „physikalisch unmöglich“ bezeichnet. Keine einzige der von den Wikipedia-Autoren angegebenen Referenzen stammt aus einer anerkannten wissenschaftlichen Zeitschrift, mitunter sind es sogar nur Zitate von Webseiten. Käme jemand daher und wollte die Homöopathie mit Zitaten aus Webseiten und mit Aufsätzen, die in nicht wissenschaftlichen Zeitschriften erschienen sind, belegen, so würde er – so Ullman – von den Wikipedia-Autoren berechtigterweise ausgelacht werden.

 Im Zusammenhang mit der Plausibilität geht Ullman auch ausführlich auf Aspekte der Nanomedizin und der Idee eines Wassergedächtnisses ein sowie deren Verbindung zur homöopathischen Arzneiherstellung und Wirkung. Besonders erwähnt er Untersuchungen des französischen Nobelpreisträgers Luc Montagnier, der erst kürzlich Belege für ein „Gedächtnis des Wassers“ veröffentlicht hatte.

Das Gebiet ist komplex, und aus unserer Sicht kann man noch nicht davon sprechen, dass es wissenschaftlich erwiesen ist, dass homöopathische Arzneien über Nanopartikel und ein Wassergedächtnis Selbstheilungskräfte aktivieren. Aber es sind interessante Untersuchungen und Modelle, die in anerkannten Fachzeitschriften und von anerkannten Wissenschaftlern geäußert werden.

Ullman moniert, dass diese Ideen keinerlei Erwähnung im Wikipedia-Artikel finden, die vielbeschworene neutrale Objektivität von Wikipedia sei hier in weiter Ferne. Es läge ein klarer Bias vor, die langjährigen Wikipedia-Autoren mit entsprechender Macht legten ihre private Sicht der Dinge vor, nicht die aktuelle wissenschaftliche Sachlage. In diesem Zusammenhang zitiert Ullman noch einen weiteren Nobelpreisträger, den emeritierten Cambridge Professor Brian Josephson, der von einem „pathologischen Unglauben“ spricht, im Sinne von „selbst wenn es wahr wäre, würde ich es nicht glauben“.

 Spannend ist der Vorschlag, den Ullman am Ende seiner Analyse macht: Da der Wikipedia-Artikel so einseitig gegen die Homöopathie Stellung bezieht, sei es kaum möglich, daraus einen ausgewogenen Artikel zu schreiben. Deshalb schlägt er vor, den Artikel zu ergänzen: Neben dem bisherigen „skeptischen“ Blickwinkel sollte es einen weiteren aus homöopathischer Sicht geschriebenen geben.

Mitunterzeichnet wurde Ullmans Beitrag von Michael Frass, MD, Professor of Medicine, Medical University of Vienna (Austria); Paolo Bellavite, MD, Professor, Università of Verona (Italy), Department of Pathology and Diagnostics; Paolo Roberti di Sarsina, MD, Observatory and Methods for Health, University of Milano-Bicocca, Italy, Charity for Person Centered Medicine-Moral Entity, Bologna, Italy, Expert for Non-Conventional Medicine (2006-2013), High Council for Health, Ministry of Health, Italy; Dr Clare Relton, Senior Research Fellow (Public Health), School of Health & Related Research, University of Sheffield (UK); Stephan Baumgartner, PhD, Institute of Complementary Medicine, University of Bern, Switzerland, Institute of Integrative Medicine, University of Witten-Herdecke, Germany; Lex Rutten MD, homeopathic physician, independent researcher.

Unser Fazit: Ullman weist eindrucksvoll nach, dass der englischsprachige Homöopathie-Artikel in Wikipedia mit schwachen Referenzen gegen die Homöopathie argumentiert und gleichzeitig eine Vielzahl starker Quellen, die für eine positive Wirkung der Homöopathie sprechen, missachtet. Der Artikel ist somit unausgewogen, und er vermittelt keinen neutralen Blickwinkel auf die Homöopathie – was von einer Enzyklopädie zu erwarten wäre. Für den deutschsprachigen Artikel zur Homöopathie in Wikipedia gilt leider das gleiche. Sollte die Wikipedia-Redaktion überhaupt antworten, darf man sich freilich nicht allzu viel davon erhoffen. Dafür scheint die Sache zu festgefahren zu sein.

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CORE-Hom: Homöopathie-Studien auf Mausklick

Die Karl und Veronica Carstens-Stiftung bietet seit kurzem eine Online Datenbank an, mit der sich die gesamte klinische Studienliteratur der Homöopathie nach Themen und Ergebnissen recherchieren lässt. Klinische Endpunkte bzw. Ergebnisse werden beschrieben. CORE-Hom steht dabei für „Clinical Outcome Research in Homeopathy“. Der Name soll darauf hinweisen, dass neben kontrollierten, randomisierten und verblindeten klinischen Studien auch Beobachtungsstudien und Fallserien in die Datenbank Eingang finden. Insgesamt umfasste die Datenbank im Mai 2014 1048 Einträge. Die Ergebnisse von Metaanalysen werden zusammengefasst. Die Datenbank ist für alle, die sich mit klinischer Homöopathie-Forschung beschäftigen, von großem Nutzen und Wert.

Links:

Presseerklärung der Carstens-Stiftung

Datenbank CORE-Hom

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