Australischer Homöopathie Report wird kritisiert

Die australische Gesundheitsbehörde „National Health and Medical Research Council“ (NHMRC) hat einen ersten Entwurf einer Beurteilung der Studienlage und Evidenz zur Homöopathie öffentlich zur Diskussion gestellt.

Der Bericht wurde von einer Arbeitsgruppe des Forschungsinstitutes Optum erstellt. Der Report kommt zu der Schlussfolgerung, dass die verfügbare Datengrundlage auf Basis der klinischen Studien am Menschen nicht überzeugend sei und nicht belegen könne, dass Homöopathie eine wirksame Behandlung sei. Der Bericht ist im Entwurfs- und Diskussionsstadium und noch nicht finalisiert.

Das britische Homeopathic Research Institute, das über eine große Expertise in der Beurteilung der gesamten homöopathischen klinischen Forschungsliteratur verfügt, hat die Übersichtsarbeit unter die Lupe genommen und in einer ausführlichen Stellungnahme die Korrektur von Fehlern für den endgültigen Entwurf angemahnt. Folgende Schwächen werden aufgeführt und ausführlich diskutiert:

  • Unzureichende Evidenz liege deshalb vor, weil viele Studien qualitativ unzureichend durchgeführt und publiziert wurden. Dies belege aber nur die unsichere Datenlage zur Homöopathie, es ließe sich nicht daraus schließen, dass Homöopathie unwirksam sei. Dies müsse logisch auch so geschlussfolgert werden. Hieraus sei die Forderung nach Forschungsförderung für qualitativ hochwertige Studien logisch abzuleiten.
  • Nur Studien mit mehr als 150 Teilnehmern wurden ausgewertet. Dieses Vorgehen macht keinen Sinn, da auch gute kleinere Studien klinisch relevante und valide Ergebnisse erbringen können. Die Rationale hinter diesem Vorgehen wird nicht erläutert.
  • Alle Nicht-Englisch-sprachigen Studien wurden ausgeschlossen, hierunter finden sich auch fälschlich ausgeschlossene Studien.
  • Homöopathie-Forschungsexperten wurden nicht einbezogen. Die Expertise der Gutachter wird nicht ausreichend erläutert.
  • Homöopathische Qualitätskriterien fanden keine Berücksichtigung. Etliche der bewerteten Studien wurden gar nicht nach Therapieprinzipien der Homöopathie durchgeführt.
  • Es wird nicht ausreichend zu Interessenskonflikten und zur Unvoreingenommenheit der Gutachter Stellung genommen.
  • Es handelt sich um eine Übersicht über Übersichtsarbeiten. Primäre Studiendaten wurden gar nicht analysiert. Damit wurden bekannte Fehler früherer Auswertungen wiederholt.
  • Die Studien wurden für die Homöopathie „als ganzes System“ bewertet, nicht aber zusätzlich systematisch für klinische Diagnosen. Dies ist unüblich in der Medizin, die Rationale wird nicht begründet. Beispielsweise liegt eine positive Evidenz der Homöopathie für Atemwegserkrankungen, Diarrhoe und Allergische Rhinitis vor, dies wird im Bericht nicht dargestellt.
  • Einige wichtige Metaanalysen und Studien wurden ausgeschlossen/nicht ausgewertet, ohne dass die Gründe hierfür ersichtlich sind. Dies sind Studien, die eine positive Evidenz z.B. bei kindlichem Durchfall, allergischer Rhinitis, Schwindel und Otitis media zeigen.

Die Wissenschaftler vom Homeopathic Research Institute fordern daher die Autoren des Reviews auf, in die endgültige Fassung Korrekturen einzuarbeiten und Fehler zu korrigieren.

Referenzen

Der Entwurf des australischen Berichtes

Kritik des Homeopathic Research Institutes

Ausführliche Kritik (pdf)

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