Neuer Wisshom-Blog

Es gibt einen neuen Wissenschaftsblog von Wisshom, den Prof. Harald Walach editiert. In einem ersten Beitrag beschäftigt er sich mit der negativen Stellungnahme einer Arbeitsgruppe des  EASAC (European Academies Science Advisory Council)  zur Homöopathie). Der Kommentar ist sehr lesenswert: http://www.homöopathie-forschung.info/easac/

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Homeogenomics: Veränderung der Genexpression durch Homöopathie

Eine bislang wenig wahrgenommene Forschungsrichtung im Bereich der homöopathischen Grundlagenforschung sind die so genannten “Homeogenomics”. Schon seit bald 20 Jahren werden Effekte potenzierter homöopathischer Arzneien am menschlichen Genom beschrieben. Hierzu ist kürzlich eine Übersichtsarbeit in einer Zeitschrift der ARH erschienen, die die Arbeiten der letzten 20 Jahre prägnant zusammenfasst [1].

Kay und Khuda-Bukhsh definieren “Homeogenomics” wie folgt: Molekularbiologische Untersuchungen, die zum Verständnis der Wechselwirkungen zwischen homöopathischen Präparaten und dem menschlichen Genom beitragen sollen [2]. Die bisherigen Studien haben gezeigt, dass diese Wechselwirkungen tatsächlich existieren, beispielsweise in der Up- und Down-Regulation bestimmter Gene, welche deren Expression und Aktivität verändern. Es bestehe Hoffnung, dass durch die genaue Analyse der durch eine homöopathische Substanz beeinflussten Gene die Auswahl der individuellen homöopathischen Arznei für den Patienten unterstützt werden könnte. Insbesondere in der Onkologie wurden bereits einige Arzneimittel detailliert untersucht.

Eine zentrale Rolle in der bisherigen Forschung spielt der mittlerweile emeritierte Professor Anisur R. Khuda-Bukhsh aus Kalyani/Indien: Als ehemaliger Vorstand des zoologischen Instituts der Universität von Kalyani hat er rund 320 Arbeiten publiziert, viele davon in hochrangigen internationalen Journalen. Im Jahre 1997 erschien die erste wichtige Arbeit zu diesem Thema, die die Wirkung homöopathischer Mittel auf das Genom postulierte [3]. Seitdem sind zahlreiche Arbeiten verschiedener Autoren und Arbeitsgruppen erschienen, die diese Annahmen stützen. Einige Beispiele dazu, wie homöopathische Präparate die Expression zahlreicher Gene beeinflussen können (s. Literaturangaben dazu unter [1]):

  • Gelsemium sempervirens wirke auf die Up- bzw. Down-Regulation von mindestens 49 Genen, dabei auch auf sechs Gene, die menschliche Neuroblastom-Zellen regulieren. Auch für Hydrastis canadensis und Condurango sind solche Wirkungen untersucht worden.
  • Ob solche Wirkungen am Genom auch konkrete, positive Auswirkungen für Patienten haben, wird derzeit untersucht. Es scheinen beispielsweise bestimmte Entzündungsmediatoren angesprochen zu werden, die bei Autoimmunkrankheiten oder bei Allergien eine Rolle spielen.
  • Im Bereich der Onkologie gibt es Ansätze, die Genregulation bezüglich Apoptose, Regulation des Zellzyklus, Autophagie und Angiogenese zu untersuchen. Im Fokus steht dabei beispielsweise das Tumorsuppressorgen TP53, dass das Protein p53 codiert. Letzteres spielt unter anderem bei der Angiogenese und der Aktivierung von Reparaturproteinen eine wichtige Rolle. Effekte durch Phytolacca decandra, Condurango, Thuja officinalis, Carcinosinum und Lycopodium clavatum (in unterschiedlichen Potenzen, von Urtinkturen bis C200) konnten bereits gezeigt werden.
  • Im Bereich der Epigenetik wird untersucht, wie im Detail diese Veränderungen der Genexpression vonstatten geht. Dabei spielt die Methylierung der DNA eine wichtige Rolle. Hierbei wurde unter anderem die Promotorregion von TP53 untersucht und die Wirkung von Condurango bei der Demethylierung im Rahmen einer epigenetischen Modifikation an Krebszellen gezeigt. Ähnliche Effekte sind für Hydrastis canadensis beschrieben.

Kay und Khuda-Bukhsh schlussfolgern aus den bisherigen Daten, dass “homeogenomische und homeogenetische” Überlegungen den Weg für die Entwicklung eines wirkungsvollen Therapiesystems im Sinne einer personalisierten Medizin bahnen könnten [1].

[1] Kay PH, Khuda-Bukhsh AR: An introduction to homeogenomic considerations in innovation of high dilution technology. Homeopathy in practice, Spring/Summer 2016, p.46-52 (http://www.a-r-h.org)

[2] Kay PH, Khuda-Bukhsh AR: The contribution of homeogenomic and homeogenetic studies in the support of the practice of Homoeopathy. Indian J Res Homoeopathy 2016;10: 101-107

[3] Khuda-Bukhsh AR: Potentized homoeopathic drugs act through regulation of gene-expression: a hypothesis to explain their mechanism and pathways of action in vitro. Complement Ther Med 1997 (5): 43-46

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Neue Informationen zur Homöopathie-Forschung

Diesen Sommer sind diverse Informationen zur Homöopathie-Forschung überarbeitet oder ganz neu erstellt worden:

Die FAQ des britischen Homeopathic Research Institutes sind nun auch auf Deutsch verfügbar: https://www.hri-research.org/de/homeopathy-faqs/

Der Forschungsreader zur Homöopathieforschung von Wisshom steht nun auch auf Englisch zur Verfügung: http://www.wisshom.de/index.php?menuid=102&getlang=en

Ein nachdenkliches Editorial von Harald Walach zur Zukunft der Homöopathie ist in der Forschenden Komplementärmedizin erschienen: https://www.karger.com/Article/Pdf/448970

Ein neuer homöopathischer Blog zur Forschung ist online: http://www.in-zukunft-homoeopathie.de/

Viel Freude beim Lesen!

 

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Aktueller Bericht fasst den Stand der Forschung zur Homöopathie zusammen

In den letzten Tagen war im Kontext des deutschen Homöopathie-Kongresses ein großes Presseinteresse an der Homöopathie zu beobachten. Mehrere Leitmedien bezeichneten Homöopathie als „Hokuspokus“ oder „Scheintherapie“. Die Wissenschaftliche Gesellschaft für Homöopathie hat nun einen Bericht verfasst, der den Forschungsstand auf Basis der Daten aus internationalen Fachzeitschriften mit Peer Review-Verfahren zusammenfasst. Die wichtigsten Ergebnisse sind:

  1. Homöopathische Behandlung ist unter ärztlichen Alltagsbedingungen (Praxis) klinisch nützlich (Perspektive Versorgungsforschung).
  2. Auch hochwertige randomisierte klinische Studien zeigen spezifische Effekte, in denen Homöopathie dem Placebo überlegen ist (Perspektive Randomisierte Klinische Studien).
  3. Vier von fünf Metaanalysen zeigen eine statistische Überlegenheit der homöopathischen Arznei im Vergleich zu Placebo, allerdings ist die Anzahl hochwertiger Studien gering (Perspektive Metaanalysen).
  4. Auch in Experimenten mit Zellkulturen, Tieren und Pflanzen gibt es, mittlerweile reproduziert, Effekte, die eine spezifische Wirkung von Hochpotenzen zeigen (Perspektive Grundlagenforschung).
  5. Die Studienlage ist insgesamt nicht eindeutig beweisend, belegt aber hinreichend einen therapeutischen Nutzen. Mehr hochqualitative Forschung ist nötig, insbesondere Replikationen von positiven Studien.

Im Gegensatz zur mittlerweile emotional aufgeladenen Debatte, liegt mit diesem Forschungsbericht ein wichtiger Beitrag zur Versachlichung der Debatte auf der Basis von Daten vor.

Download des Berichtes: http://www.homoeopathie-online.info/wp-content/uploads/Der-aktuelle-Stand-der-Forschung-zur-Hom%C3%B6opathie-2016-WissHom.pdf

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“Der Glaube an die Globuli” – eine kritische Rezension

Rezension von „Der Glaube an die Globuli. Die Verheißungen der Homöopathie. Hrsg. von Norbert Schmacke. suhrkamp medizinhuman. Suhrkamp Verlag, Berlin 2015“

Diese neu erschienene Streitschrift suggeriert dem Leser, dass Homöopathen „Alternativmediziner“  sind, die glauben, schwere Krankheiten wie Schlaganfälle und Krebserkrankungen allein durch Homöopathie zu heilen. Dabei sei die Homöopathie erwiesenermaßen eine Placebotherapie, für die es keine wissenschaftlichen Belege gäbe.  Homöopathen würden sich der Evaluation durch die evidenzbasierte Medizin entziehen, da sie davon überzeugt seien, dass der randomisierte kontrollierte Doppelblindversuch nicht zur Erfassung der Wirksamkeit der Homöopathie geeignet sei.  Außerdem würden Homöopathen einen autoritär-paternalistischen Stil der Kommunikation ausüben, da sie ihre Patienten nicht über die Placebofunktion ihrer Medikamente aufklärten. Der von den Autoren verortete Skandal bestände darin, dass diese Glaubensmedizin, ebenso wie die Anthroposophische Medizin, durch den Rechtsstatus als „Besondere Therapierichtungen“ geschützt seien und ihre Wirksamkeit daher nicht belegen müssten.  Die Autoren empfehlen als Rezept für eine bessere Medizin mehr partizipative Entscheidungsfindung und eine noch stärkere Evidenzbasierung der Medizin.

Die Zielsetzung dieser Schrift erschließt sich vor allem durch jene Inhalte, die die Autoren ausgelassen haben. Es sei an dieser Stelle daher erlaubt, der polarisierenden Perspektive dieses Buches einige sachliche Argumente entgegen zu setzen:

1. Homöopathische Ärzte sind Komplementärmediziner

Der allergrößte Anteil der knapp 10.000 Ärzte in Deutschland, die eine homöopathische Zusatzqualifikation haben, sind niedergelassene Haus- oder Fachärzte mit einem Kassensitz. Sie üben Homöopathie als eine zusätzliche Therapiemethode aus, die ihre konventionelle („schulmedizinische“) Therapie ergänzt. Ein Blick in das Arztverzeichnis auf der Homepage des DZVhÄ hätte genügt, um sich hiervon zu überzeugen. Den Typus des „Alternativmediziners“, der in seiner irrational-mythischen Glaubensüberzeugung nur Homöopathie und keine konventionelle Medizin betreibt, wie er hier von den Autoren Uwe Heyll und Norbert Schmacke geschildert wird, gibt es in dieser stark überspitzten Form allenfalls ausnahmsweise. Die meisten homöopathischen Ärzte versorgen ihre Patienten auch schulmedizinisch und wägen den Einsatz von Homöopathie und Schulmedizin sorgfältig gegeneinander ab.

2. Homöopathische Behandlungsindikationen sind chronische Erkrankungen wie allergische Rhinitis und Neurodermitis

Homöopathische Behandlungsindikationen sind in der übergroßen Mehrheit ambulant behandelte chronische Erkrankungen, bei denen die konventionelle Behandlung als defizitär oder als zu nebenwirkungsreich empfunden wird. Dies sind vor allem allergische Rhinitis, Kopfschmerzen und Neurodermitis (vgl. hierzu eine Kohortenstudie mit 3981 Patienten: http://www.biomedcentral.com/1471-2458/5/115). Schlaganfälle oder Krebserkrankungen stellen eher Ausnahmen dar. Bei diesen schweren Erkrankungen erfolgt eine homöopathische Behandlung, falls sie überhaupt erfolgt, sekundär zur konventionellen, z.B. um Nebenwirkungen zu mildern oder die Lebensqualität zu verbessern.

3. Die Evidenz

Eine Überraschung an diesem Buch ist die Tatsache, dass die Evidenz für die Behauptung, dass homöopathische Arzneimittel Placebos sind, gar nicht auf der Basis von wissenschaftlichen Daten aus Studien dargestellt und diskutiert wird. Die Autoren verzichten auf eine entsprechende Darstellung und Diskussion und verweisen unter anderem darauf, dass dies ja schon in dem Buch „Die Homöopathie-Lüge: So gefährlich ist die Lehre von den weißen Kügelchen“ dargestellt und in einem australischen HTA aufgearbeitet sei. Dass die Autoren (als Wissenschaftler) hier auf eine populistische Streitschrift als wissenschaftlich umfassende Referenz verweisen, ist ungewöhnlich. Zumal dem Autoren Norbert Schmacke Forschungsdaten der Homöopathie bekannt sind: In einer Studie zur Homöopathie von 2010, die er hauptverantwortlich publizierte, schreiben Schmacke et al.:

„Für einige wenige Erkrankungen konnten Wirksamkeitsnachweise erbracht werden: Nach dem derzeitigen Stand der Forschung liegt für die Indikationen Heuschnupfen, Durchfall bei Kindern, Weichteilrheuma, Darmlähmung nach Operation und Atemwegsinfektionen ein Wirksamkeitsnachweis vor.“ (Stamer M, Müller VE, Berger B, Schmacke N. Perspektiven von Patientinnen und Patienten auf ihre Versorgung durch homöopathisch tätige Ärzte und Ärztinnen – Eine qualitative Studie. Abschlussbericht. Bremen 2010. S.12. Abgerufen am 13.11.2015,  unter: http://www.akg.uni-bremen.de/pages/arbeitspapierBeschreibung.php%3FID=28&SPRACHE=DE.html).

Wie passt dieses Zitat von 2010 nun zu der Aussage des Autors, dass es überhaupt keine Belege für eine Wirksamkeit der Homöopathie gibt?

Auch nennen Schmacke et al. nicht einmal die fünf bisher publizierten umfassenden Metaanalysen zur Homöopathie (von denen vier Metaanalysen ein statistisch positives Ergebnis zu Gunsten der Homöopathie erbrachten, auch wenn diese, wie zu erwarten, wegen fehlender Plausibilität kritisch diskutiert werden).

Dass Homöopathen Wirksamkeitsevaluationen und klinische Forschung nicht ablehnend, sondern sogar befürwortend gegenüberstehen, verdeutlicht die Tatsache, dass zum Zeitpunkt November 2015 auf der weltweit umfangreichsten Datenbank zur Homöopathie CORE-Hom bereits 1117 klinische Studien zur Homöopathie erfasst sind. Die meisten davon wurden von homöopathischen Ärzten durchgeführt. Schmacke et al. hätten sich hier umfassend und kostenfrei mit der primären Datenlage auseinandersetzen können. Auch die Gründung der Homöopathie-Stiftung und der WissHom (Wissenschaftliche Gesellschaft für Homöopathie) sind in diesem Kontext als Zeichen der fortschreitenden wissenschaftlichen Professionalisierung der homöopathischen Ärzte zu deuten. Homöopathen sind sicher nicht als forschungsfeindlich zu betrachten.

4. Die Placebo-Hypothese

Die nach wie vor umfassendste Metaanalyse von Linde et al. 1997 konstatierte zur Vermutung, dass die homöopathische Arzneitherapie eine Placebotherapie sei:

„The results of our meta-analysis are not compatible with the hypothesis that the clinical effects of homeopathy are completely due to placebo.“  (http://www.thelancet.com/journals/lancet/article/PIIS0140-6736%2897%2902293-9/abstract).

Diese Schlussfolgerung ist auch heute noch gültig, wie der schwedische Wissenschaftler Hahn 2013 in einem Review berichtet (http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/24200828).

Selbstverständlich spielt der Placeboeffekt auch in der klinischen Homöopathie eine Rolle. Eine neuere Metaanalyse von 2014 zur klassischen individualisierenden Einzelmittel-Homöopathie kommt jedoch auch hier zur Schlussfolgerung:

„Medicines prescribed in individualised homeopathy may have small, specific treatment effects.“ (http://www.systematicreviewsjournal.com/content/3/1/142). Auch wenn Schmacke et al. diese Daten vermutlich für nicht plausibel halten – zur wissenschaftlichen Redlichkeit gehört auch, sich mit konträren Positionen und Daten auseinanderzusetzen. Hiervon erfährt der Leser jedoch nichts.

5. Arzt-Patienten-Kommunikation

Schmacke attestiert den Homöopathen, sich ihren Patienten gegenüber autoritär-paternalistisch zu verhalten. Der gleiche Autor Schmacke beschreibt in seiner eigenen Forschungsarbeit von 2010 dagegen auch entgegengesetzte und positive Aspekte des homöopathischen Therapiesettings, durchaus auch im Sinne einer partizipativen Entscheidungsfindung (Stamer M, Müller VE, Berger B, Schmacke N. Perspektiven von Patientinnen und Patienten auf ihre Versorgung durch homöopathisch tätige Ärzte und Ärztinnen – Eine qualitative Studie. Abschlussbericht. Bremen 2010. Abgerufen am 13.11.2015 unter: http://www.akg.uni-bremen.de/pages/arbeitspapierBeschreibung.php%3FID=28&SPRACHE=DE.html):

„Basierend auf schulmedizinisch orientierten diagnostischen und therapeutischen Empfehlungen suchen Patienten und Patientinnen Beratungsmöglichkeiten – verstanden im Sinne einer ärztlichen Entscheidungsbegleitung – im Kontext homöopathisch-ärztlicher Versorgung auf. Dabei wird beispielsweise erörtert, wie bisherige Perspektiven durch Einholung ergänzender Informationen erweitert werden können, um auf diesem Wege die Auseinandersetzung mit der Entscheidungsgestaltung zu befördern. Die Herangehensweise offenbart den Patienten und Patientinnen die Gelegenheit aktiver Mitgestaltung ihrer Versorgungssituation. Werden sie selbst aktiv und suchen das Gespräch mit ihren homöopathisch tätigen Ärzten/Ärztinnen, kann sich mittels dieser Aktivität ein Gefühl der Handlungsautonomie entlang individuell gestalteter Verknüpfung von Schulmedizin und ärztlicher Homöopathie entfalten.“ (S.124-125)

„Durch den Kontakt mit homöopathischen Herangehensweisen wurden bei den InterviewpartnerInnen einige Veränderungsprozesse in Gang gesetzt. So wird z.B. von einer größeren Gelassenheit im Umgang mit Erkrankungen gesprochen oder davon, dass das Vertrauen in die eigene Einschätzung gestiegen ist. Die homöopathische Behandlung und/oder die jeweilige homöopathische ÄrztIn haben dazu beigetragen, dass Krankheitsängste reduziert wurden. Dabei erscheint quasi das gesamte homöopathische Setting entdramatisierend: eine Wohnzimmeratmosphäre im Wartezimmer, das Anbieten von Getränken oder eine persönliche Begrüßung vermitteln, dass PatientInnen sich hier in einer Alltags- und nicht in einer Ausnahmesituation befinden. Auch die vorsichtige Annäherung an die Krankheitsdiagnose und eine Vorgehensweise, die erst einmal von einer nicht bedrohlichen Erkrankung ausgeht, tragen dazu bei, Ängste zu reduzieren und das Vertrauen darauf, dass der Körper eigenständig mit einer Erkrankung fertig wird, zu bilden oder zu vergrößern. Die Ermunterung zur Selbstbehandlung und die Unterstützung dabei durch die ÄrztInnen wurden als Zuwachs von Autonomie und Selbständigkeit erlebt.“ (S. 118-119)

Schmackes Forschungsergebnisse von 2010 stehen auffällig im Gegensatz zu den Aussagen im aktuellen Buch. Warum verschweigt der Autor seine eigenen Studienergebnisse an dieser Stelle?

6. Besondere Therapierichtungen

Schmacke kritisiert, dass für komplementäre Therapien der juristische Schutz der „Besonderen Therapierichtungen“ besteht. Dabei geht er nicht darauf ein, dass für traditionelle und komplementäre Therapien bei Einführung des Gesetzes andere Grundvoraussetzungen vorlagen als für die Einführung neuer Arzneimittel in den Markt. Während eine neue Arznei vor Markteinführung umfassend auf Nutzen und Risiken überprüft werden muss, werden komplementäre und traditionelle Therapien eben schon seit langem angewendet und von der Bevölkerung genutzt. So ergeben sich vollständig andere wissenschaftlichen Evaluationsmodelle und -abfolgen, wie ein Artikel von Claudia Witt im Deutschen Ärzteblatt aufzeigt (http://www.aerzteblatt.de/treffer?s=komplement%E4rmedizin&s=willich&wo=17&typ=16&aid=65947):

„Komplementärmedizinische Therapiesysteme werden oft schon seit Jahrhunderten angewendet und waren schon verfügbar, bevor die heutigen Standards klinischer Forschung entwickelt wurden. Zusätzlich fehlen systematische Daten über die aktuellen Versorgungsstrukturen – das schließt das Diagnose- und Therapiespektrum ein. Anders folgt die Entwicklung eines neuen Medikaments in der konventionellen Medizin in systematisch aufeinander aufbauenden Phasen. Eine Überlegenheit über Placebo ist zu belegen, bevor ein Vergleich zur Standardtherapie oder gar Versorgungsforschung durchgeführt werden kann. Aufgrund der historischen Entwicklung wird für die Komplementärmedizin eine umgekehrte Forschungsfolge als sinnvoll erachtet.“

Die komplementären Methoden sollten aus pragmatischer Sicht zunächst ihre Sicherheit belegen und dann erst ihren Nutzen. Genau dies erfolgt aber seit etwa 25 Jahren in zunehmendem Maße in der Komplementärmedizin und eben auch in der Homöopathie, was sich mit der wissenschaftlichen Forschungsliteratur zur Homöopathie durch eine Pubmed Recherche oder die Suche in der CORE-Hom Datenbank gut nachvollziehen lässt.

Fazit

Das Buch polarisiert bewusst und ist als Streitschrift zu verstehen, die sich – am Beispiel der Homöopathie und Anthroposophischen Medizin – gegen die Sonderstellung der „Besonderen Therapierichtungen“ richtet. Beispiele für unsachliche Argumentation: Den Typus des „Alternativmediziners“, der in seiner irrational-mythischen Glaubensüberzeugung nur Homöopathie und keine konventionelle Medizin betreibt, wie er von den Autoren geschildert wird, gibt es in dieser stark überspitzten Form nur ausnahmsweise. Die meisten homöopathischen Ärzte arbeiten dagegen komplementär zur konventionellen Medizin. Hauptindikationen der homöopathischen Behandlung sind (nach Studienlage) allergische Rhinitis, Kopfschmerzen und Neurodermitis, nicht jedoch Schlaganfälle und Krebserkrankungen, wie von den Autoren suggeriert wird. Die Evidenz für die Behauptung, dass homöopathische Arzneimittel Placebos sind, wird in dem Buch nicht auf der Basis von wissenschaftlichen Daten aus Studien dargestellt und diskutiert. Norbert Schmacke berichtet auch nicht seine eigenen Forschungsergebnisse von 2010, die seiner nun geäußerten Behauptung, Homöopathen pflegten einen autoritär-paternalistischen Kommunikationsstil, entgegenstehen.

Eine Versachlichung im Sinne eines wissenschaftlichen Diskurses liegt somit offensichtlich nicht in der Zielsetzung dieses Buches, wäre für zukünftige Diskussionen jedoch wünschenswert.

Links

Auch der DZVhÄ (Deutscher Zentralverein homöopathischer Ärzte) hat mittlerweile Stellung genommen unter der Überschrift: Der Glaube an Globuli: „weder neu noch stichhaltig. Darin widerlegt der Medizinhistoriker Prof. Robert Jütte einige in Schmackes Buch enthaltene Behauptungen.

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Homöopathie – ist sie Nanomedizin?

Dieser interessante Übersichtsartikel fasst die von der indischen Regierung geförderte Forschung des indischen Physikers Papiya Nandy zusammen, der untersucht hat, ob wirklich bei Hochpotenzen “nichts drin” ist?

Was er über Jahre herausgefunden hat, ist spannend und weitestgehend unbekannt: Link

 

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Should doctors recommend homeopathy?

Unter diesem Motto stellen Peter Fisher und Edzard Ernst ihre kontroversen Positionen im British Medical Journal dar. Und der Leser darf mit abstimmen…: http://www.bmj.com/content/351/bmj.h3735

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Homöopathie und Fluoxetin wirksam bei Depressionen in den Wechseljahren

In einer neuen randomisierten placebo-kontrollierten Doppelblindstudie wurden mexikanischen Frauen mit mittleren bis schweren Episoden einer Majoren Depression in den Wechseljahren per Zufall drei Gruppen zugeteilt:

  • Gruppe 1 erhielt eine individualisierte homöopathische Therapie mit C-Potenzen in alkoholischer Lösung zur täglichen Einnahme und das Placebo (optisch wie Antidepressivum Fluoxetin),
  • Gruppe 2 erhielt täglich 20 mg des Antidepressivums Fluoxetin und ein Placebo (alkoholische Lösung, wie homöopathische Arznei),
  • Gruppe 3 enthielt beide Placebos.

Der klinische Erfolg wurde auf der Hamilton Rating Scale of Depression (von verblindeten Psychologen), auf Becks Depressions-Inventar (vom Patienten) und auf der Green Climacteric Scale (Patient) nach 4 und 6 Wochen erhoben.

133 Patientinnen nahmen teil. Das Ergebnis zeigte eine signifikante und klinisch relevante Verbesserung der Depression auf der Hamilton Rating Scale unter Homöopathie und Fluoxetin, nicht jedoch unter Placebo.  54,5 % der Patienten in der Homöopathie-Gruppe zeigten nach 6 Wochen eine mindestens 50 % Reduktion ihrer Beschwerden, unter Fluoxetin 41,3 % und unter Placebo 11,6 %. Klimakterische Beschwerden wurden nur unter der Homöopathie gebessert. Keine Gruppenunterschiede zeigten sich im Becks Depressions-Inventar, dies führen die Autoren darauf zurück, dass viele der eingeschlossenen Patienten nicht oder unzureichend lesen können und möglicherweise den Fragebogen nicht verstanden hätten.

Die Autoren schlussfolgern, dass Homöopathie  und Fluoxetin innerhalb von 6 Wochen wirksam in der Behandlung der Majoren Depression sind.

Link:

Macías-Cortés Edel C, Llanes-González L, Aguilar-Faisal L, Asbun-Bojalil J. Individualized homeopathic treatment and fluoxetine for moderate to severe depression in peri- and postmenopausal women (HOMDEP-MENOP study): a randomized, double-dummy, double-blind, placebo-controlled trial. PLoS One. 2015 Mar13;10(3)

 

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Harald Walach kommentiert die neue Metaanalyse

Sehr informativ wird von Harald Walach auf seinem Blog die aktuelle Metaanalyse zur Homöopathie von Robert Mathie und Kollegen kommentiert. Neben seiner Einschätzung der Bedeutung und Aussagefähigkeit dieser Studie erfährt man beim Lesen noch einiges über allgemeine Aspekte von Statistik, Effektstärken und Metaanalysen. Zum lesenswerten Beitrag geht es hier.

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Neue Metaanalyse: Individualisierte Homöopathie signifikant besser als Placebo

Eine neue und aktuelle Metaanalyse zur Homöopathie von Robert Mathie und Kollegen liegt vor: Es handelt sich um die mittlerweile 5. Metaanalyse zur Wirkung homöopathischer Arzneimittel.

Metaanalysen fassen die Ergebnisse vieler Studien statistisch zusammen und treffen damit eine Aussage über die Wirksamkeit einer Therapie, so wie sie sich in den eingeschlossenen Studien darstellt.

Bisherige Metaanalysen zur Homöopathie:

Autor Jahr Kernbotschaft
Kleijnen et al. 1991 “Positive Evidenz homöopathischer Therapie, aber geringe Qualität der Studien”
Linde et al. 1997 “Klinische Effekte der Homöopathie beruhen nicht alleine auf Placeboeffekten”
Cucherat et al. 2000 “Homöopathie effektiver als Placebo, Evidenz bei geringer methodologischer Qualität gering”
Shang et al. 2005 “Klinische Effekte der Homöopathie sind Placeboeffekte”
Mathie et al. 2014 “Individualisierte Homöopathie kann kleine, aber spezifische Therapieeffekte haben”

Was unterscheidet die neue Metaanalyse von den bisherigen?

  • Es handelt sich um die aktuellste und bisher umfangreichste Literaturrecherche, die auch Datenbanken einschließt, die bisher nicht berücksichtigt wurden bzw. nicht verfügbar waren.
  • Ausschließlich Studien zur individualisierten Homöopathie (sog. Einzelmittel-Homöopathie” oder “klassische” Homöopathie) wurden eingeschlossen. Dies war bisher nicht der Fall.
  • Die Heterogenität der ausgewählten Studien wurde in der statistischen Analyse in besonderer Weise berücksichtigt.
  • Die Studien wurden anhand eines vorab veröffentlichten Protokolls ausgewertet und auch bezüglich des Risikos beurteilt, einen Bias zu enthalten.

Welche Ergebnisse beschreibt die neue Metaanalyse?

  • Es wurden randomisierte und doppelt verblinde Studien, die individualisierte Homöopathie gegen Placebotherapie vergleichen, ausgewertet.
  • Vollständige Datensätze aus 22 der insgesamt 32 identifizierten Studien konnten in die Analyse einbezogen werden.
  • Es wurden insgesamt 24 Diagnosen behandelt. Im Durchschnitt nahmen 43,5 Teilnehmer an den Studien teil, es wurden insgesamt 28 Outcomeparameter in allen Studien erhoben.
  • Für alle 22 Studien ergab sich eine Überlegenheit der Homöopathie gegenüber Placebo (Odds Ratio 1,53 – 95% Konfidenzintervall 1,22 – 1,91; p < 0,001).
  • Es gab keine Hinweise auf einen Publication Bias im Funnel Plot, die statistische Heterogenität war gering.
  • Die Autoren schließen aus ihrer Analyse, dass Arzneien, die auf der Basis einer individualisierten homöopathischen Arzneifindung verschrieben werden, einen kleinen, aber spezifischen Therapieeffekt haben.

Welche Bedeutung hat die neue Metaanalyse?

Es wird hier methodisch fundiert belegt, dass die bisherigen Studien zur individualisierenden Homöopathie einen Therapieeffekt aufweisen, der den sogenannten Placeboeffekt übersteigt. Die Arbeit legt somit nahe, dass es eine spezifische Wirkung homöopathischer Arzneimittel gibt. Zwar weist diese im Vergleich zu Placebos nur einen kleinen zusätzlichen Effekt auf, dieser ist jedoch statistisch signifikant.

Zum Volltext der neuen Metaanalyse

 

Literatur

Kleijnen J, Knipschild P, ter Riet G: Clinical trials of homoeopathy. BMJ 1991, 302:316–323 http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC1668980/

Cucherat M, Haugh MC, Gooch M, Boissel JP: Evidence of clinical efficacy of homeopathy. A meta-analysis of clinical trials. HMRAG. Homeopathic Medicines Research Advisory Group. Eur J Clin Pharmacol 2000, 56:27–33 http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/10853874

Linde K, Clausius N, Ramirez G, Melchart D, Eitel F, Hedges LV, Jonas WB: Are the clinical effects of homeopathy placebo effects? A meta-analysis of placebo-controlled trials. Lancet. 1997;350(9081):834-43  http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/9310601

Shang A, Huwiler-Müntener K, Nartey L, Jüni P, Dörig S, Sterne JA, Pewsner D, Egger M: Are the clinical effects of homoeopathy placebo effects? Comparative study of placebo-controlled trials of homoeopathy and allopathy. Lancet  2005 Aug 27-Sep 2;366(9487):726-32 http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/16125589

Mathie RT, Lloyd SM, Legg LA, Clausen J, Moss S, Davidson JR, Ford I: Randomised placebo-controlled trials of individualised homeopathic treatment: systematic review and meta-analysis. Syst Rev. 2014 Dec 6;3(1):142 http://www.systematicreviewsjournal.com/content/3/1/142/abstract

Die kritische Auseinandersetzung der Carstens-Stiftung mit dieser Studie finden Sie hier.

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