Australischer Homöopathie-NHMRC-Report – der erste Bericht auf Druck der Öffentlichkeit nun veröffentlicht – mit erstaunlichen Ergebnissen … !

Der australische NHMRC-Report zur Homöopathie wurde 2015 in der Presse und Gesundheitspolitik als das Ende der Homöopathie (mal wieder)  dargestellt, da er zum Schluss kam, dass für keine Indikation belastbare Evidenz aus wissenschaftlichen Studien vorlag. Die Presse machte daraus, dass es keine positiven Studien für Homöopathie gäbe, was ja nicht stimmt.

Die australischen Homöopathieorganisationen und das Homeopathic Research Institute (HRI) aus London  deckten dann in Folge auf, dass der staatlich beauftragte Report den größten Teil des verfügbaren wissenschaftlichen Materials de facto ausgeschlossen hat und am Ende die Aussage nur auf 5 ausgewählten Arbeiten basierte, die Schlussfolgerung des Berichtes war: “…there are no health conditions for which there is reliable evidence that homeopathy is effective”. Zudem wurden relevante und nicht deklarierte Interessenskonflikte (z.B. Mitgliedschaft eines beauftragten Experten in einer antihomöopathischen Skeptikerorganisation) innerhalb der Kommission aufgedeckt.

Irgendwann wurde klar, dass es sich hier um einen zweiten Homöopathie-Bericht handelte, was die Frage aufwarf, was mit dem ersten Bericht geschah. Es wurde dann aufgedeckt, dass ein erster Bericht unveröffentlicht existierte, nicht öffentlich einsehbar. Die australischen Homöopathen bezeichneten diesen ersten Bericht als “suppressed”.

Auf Druck des HRI, der australischen Homöopathen und der Öffentlichkeit wurde dieser 293 Seiten umfassende erste Bericht zur Homöopathie von 2012 nun endlich, 4 Jahre später, veröffentlicht.

Erstaunliches gibt es da zu lesen. Die für die Homöopathie relevanteste zusammenfassende Passage des ersten Berichtes lautet:

„There is encouraging evidence for the effectiveness of homeopathy on

  • Fibromyalgia (Grade C)
  • Otitis media (Grade C)
  • Post-operative ileus (Grade C)
  • Upper respiratory Tract Infections in adults (Grade C)
  • Side effects in cancer treatments (Grade C)
    • prophylaxis of acute dermatitis during radiotherapy
    • chemotherapy induced stomatitis“

Der erste Bericht kann nun auf der Webseite des HRI eingesehen werden: https://www.hri-research.org/resources/homeopathy-the-debate/the-australian-report-on-homeopathy/

Was folgt daraus? Die australischen Kollegen und das HRI müssen weiter unterstützt werden, darauf zu bestehen, dass diese fragwürdigen Vorkommnisse  um die Berichte vollständig aufgedeckt werden.

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Methodenpluralismus, Skeptizimus und das Grundgesetz – zu einem Beitrag von Peter Matthiessen

“Angesichts fehlender Plausibilität zu den Wirkprinzipien der Homöopathie ist es Mode geworden, deren therapeutische Wirksamkeit in Abrede zu stellen, obwohl die hierzu publizierte Evidenz für eine Wirksamkeit spricht”, schreibt Prof. Dr. Peter Matthiessen, Vorsitzender des Sprecherkreises des Dialogforum Pluralismus in der Medizin (DPM) und Leiter der Abteilung Methodenpluralität in der Medizin am Institut für Integrative Medizin (IfIM) an der Universität Witten/Herdecke, in einem lesenswerten Beitrag in der Zeitschrift für Onkologie, welcher von mehreren Ärztegesellschaften und 39 Ärzten und Forschern unterzeichnet wurde [1].

Matthiessen widerlegt hierin nicht nur die vielen, in den letzten Jahren von Kritikern gebetsmühlenartig vorgetragenen Argumente, die die Wirksamkeit der Homöopathie in Abrede zu stellen versuchen – er spricht von “unhaltbaren nationalen und internationalen Pauschalangriffen” –, sondern geht auch auf juristische Aspekte ein. Konkret erwähnt er das Grundgesetz: “In einem laizistischen Staat wie Deutschland ist aber dem Staat gemäß §5 Abs. 3 des Grundgesetzes ein Wissenschaftsrichtertum im Sinne der Parteiergreifung für ein bestimmtes Paradigma grundsätzlich untersagt. […] Insofern ist es dem Staat verfassungsrechtlich untersagt, einen bestimmten Wissenschaftsansatz bzw. ein bestimmtes medizinisches Paradigma zu privilegieren.”

Das DPM, dem Matthiessen vorsitzt, habe sich ein geflügeltes Wort Hans-Georg Gadamers zu eigen gemacht, der im Alter von 100 Jahren nach der Quintessenz seiner Philosophie gefragt wurde: “Der Andere könnte Recht haben.” Man führe kein Gespräch, wenn der Andere nicht Recht haben könnte. “Ein monoparadigmatischer Reduktionismus führt aber – bedacht oder nicht bedacht –”, so Matthiessen weiter, “am Ende stets in eine totalitäre Ideologie, für die die dogmatische Ideologie alles, der Respekt vor dem Selbststimmungsrecht des Bürgers, der Toleranz gegenüber Vertretern anderer Denk- und Praxisansätze, dem individuellen Erkenntnisstreben und der Achtung der Menschenwürde nichts bedeutet. Wollen wir eine solche durch totalitäre Strukturen geprägte Entwicklung in unserem Land für die Medizin und das Gesundheitswesen?”

Mit diesem Aufsatz Matthiessens wird der aktuellen Diskussion um die Homöopathie ein neuer, interessanter Aspekt hinzugefügt. “Der andere könnte auch Recht haben” – so formuliert das DPM Gadamers Quintessenz. Die so genannte Skeptikerbewegung (vgl. dazu [2]) setzt sich darüber jedoch bewusst hinweg. Sie möchte nicht mehr diskutieren, hält alles für längst gesagt und bewiesen, so dass man die Homöopathie einfach nur noch abschaffen möchte.

Es ist erstaunlich, dass sich derart totalitäre Denkmuster “skeptisch” nennen. Denn gerade der Skeptizismus läuft auf Gewaltenteilung hinaus. Odo Marquard, der vor wenigen Jahren verstorbene Gießener Philosoph, drückte es so aus: “Skepsis ist der Sinn für Gewaltenteilung” (vgl. [3]). Ein politischer Pluralismus beispielsweise wäre ohne Skeptizismus gar nicht denkbar: Man misstraut dem Absolutismus, der Diktatur, der Monarchie oder anderen zentral gebündelten Machtstrukturen und setzt stattdessen auf die Trennung der Gewalten – weil es ja nicht ausgeschlossen ist, dass sich eine der Parteien irrt oder zu mächtig werden will, so dass mit der Gewaltenteilung immer schon ein Regulativ verbunden ist.

Im Alltag bedeutet das, dass ein vernünftiger Skeptizismus für Pluralismus einsteht und gerade nicht für Dogmatismus. Das kann auch auf Wissenschaften im Allgemeinen und die Medizin im Besonderen angewendet werden. Pluralismus hat der Medizin noch nie geschadet, war ja auch seit jeher die Regel, nicht die Ausnahme. Wahre Skeptiker sind also eher Pluralisten, die so genannten Skeptiker “skeptischer” Organisationen tendieren dagegen zum Dogmatismus.

Literatur

  1. Matthiessen PF: Homöopathie und intellektuelle Redlichkeit – Eine Stellungnahme. Deutsche Zeitschrift für Onkologie 2018; 50: 172–177. https://doi.org/10.1055/a-0758-9471
  2. Behnke J: Die Homöopathie und die Geschichte der Skeptikerbewegung in den USA. Zwischen Wissenschaftsdogmatismus und politischem Agendasetting. Zeitschrift für Klassische Homöopathie 2017; 61(3): 124-128. https://www.thieme-connect.com/products/ejournals/abstract/10.1055/s-0043-117548
  3. Leonhardt R: Skeptizismus und Protestantismus: Der philosophische Ansatz Odo Marquards als Herausforderung an die evangelische Theologie (Hermeneutische Untersuchungen zur Theologie, Band 44). Mohr: Tübingen 2003, S. 109f
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Faktencheck Homöopathie – neuer Blog von Dr. Jens Behnke

Um gezielter Meinungsmache und bloßen Behauptungen zur Homöopathie in den diversen Medien endlich Fakten aus der Wissenschaft gegenüberzustellen, hat Natur und Medizin e.V. eine neue Seite “Faktencheck” eingerichtet:
https://www.naturundmedizin.de/faktencheck.html
Sie wird von Dr. Jens Behnke, Programmleitung Homöopathie in Forschung und Lehre bei der Karl und Veronica Carstens-Stiftung, betreut. Neben bereits bestehenden Seiten wie beispielsweise “Homöopathie Online” des Deutschen Zentralvereins homöopathischer Ärzte (DZVhÄ) oder der Seite “FAQ Homöopathie” des Homeopathy Research Institute (HRI) gibt es nun eine weitere Internetressource, um eine objektivere und möglichst faktenbasierte Diskussion über die Homöopathie zu ermöglichen.

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Rhus toxicodendron-Potenzen beeinflussen neuropathische Schmerzen

Rhus toxicodendron steht seit vielen Jahren im Interesse der Grundlagenforschung. Beispielsweise wurde bereits ein antientzündlicher Effekt durch homöopathische Präparate gezeigt [1], außerdem immunmodulatorische und antientzündliche Effekte bei Arthritis [4, 6-9] und positive Effekte bei Krebserkrankungen [2, 3].

Eine Gruppe um den indischen Pharmakologen Shital Magar hat nun in einem hochrangigen Journal, Scientific Reports (impact factor 4,1), neue Ansätze präsentiert [5, https://www.nature.com/articles/s41598-018-31971-9]:

Zunächst wurden dabei verschiedene Effekte in vitro geprüft: Dabei zeigte sich, dass Rhus toxicodendron in geringen Dosierungen (Potenzstufen D8, D12, D24, und D30) eine Wirkung auf Glioblastomzellen hatte, die zuvor oxidativem Stress ausgesetzt wurden. Die Anzahl der kompromittierten Zellen nahm durch die Zugabe von Rhus toxicodendron signifikant ab. Ebenso wurden proinflammatorische Zytokine (TNF-α, IL-1β, IL-6 and IL-10) signifikant durch Rhus toxicodendron reduziert. Die verschiedenen Potenzen wurden gemäß der Indian Homeopathic pharmacopoeia hergestellt.

In einem in vivo-Experiment mit Mäusen wurden weitere Effekte gezeigt: Nachdem den Tieren durch Quetschen des Ischiasnervs künstlich Schmerzen zugefügt worden war (“mechanical allodynia in CCI-induced neuropathic pain” – CCI steht hier für “chronic constriction injury”), konnten die Schmerzen durch die Verabreichung von Rhus toxicodendron über 14 Tage (Verdünnung 1 × 10−12, entspricht einer D12) reduziert werden. Die Effekte waren ähnlich wie die von Gabapentin, einem auch in der Humanmedizin eingesetzten Medikament, allerdings nicht ganz so stark. Wie zuvor in den in vitro-Tests wurden auch hier der oxidative Stress und entsprechende Zytokine (s.o.) signifikant beeinflusst.

Besonders interessant ist eine anschließende histologische Untersuchung der Ischiasnerven bei den Versuchstieren: Im Vergleich zur Kontrollgruppe wurde bei den mit Rhus toxidodendron oder Gabapentin behandelten Mäusen ein Schutz des Nervs vor CCI-induzierten Veränderungen gezeigt, es kam zu weniger pathologischen Strukturveränderungen.

Die Autoren schlussfolgern, dass Rhus toxicodendron in Hochpotenzen einen neuroprotektiven Effekt hat. Somit müsse es therapeutisch bei neuropathischen Schmerzen eingesetzt und weiter untersucht werden.

Literatur

  1. Dos Santos A, Perazzo F, Cardoso L, Carvalho J. In vivo study of the anti-inflammatory effect of Rhus toxicodendron. Homeopathy. 2007 Apr;96(2):95-101.
  2. Guimarães, FS et al. Stimulation of lymphocyte anti-melanoma activity by co-cultured macrophages activated by complex homeopathic medication. BMC Cancer. 2009 Aug 22;9:293. doi: 10.1186/1471-2407-9293.
  3. Karp JC et al. Treatment with Ruta graveolens 5CH and Rhus toxicodendron 9CH may reduce joint pain and stiffness linked to aromatase inhibitors in women with early breast cancer: results of a pilot observational study. Homeopathy. 2016 Nov;105(4):299-308. doi: 10.1016/j.homp.2016.05.004. Epub 2016 Aug 9.
  4. Lee KJ, Yeo MG: Homeopathic Rhus toxicodendron has dual effects on the inflammatory response in the mouse preosteoblastic cell line MC3T3-e1. Homeopathy. 2016 Feb;105(1):42-7. doi: 10.1016/j.homp.2015.09.004. Epub 2015 Oct 23.
  5. Magar S, Nayak D, Mahajan UB, Patil KR, Shinde SD, Goyal SN, Swaminarayan S, Patil CR, Ojha S, Kundu CN: Ultra-diluted Toxicodendron pubescens attenuates proinflammatory cytokines and ROS-mediated neuropathic pain in rats. Sci Rep. 2018 Sep 10;8(1):13562. doi: 10.1038/s41598-018-31971-9.
  6. Patel DR et al. Toxicodendron pubescens retains its anti-arthritic efficacy at 1M, 10M and CM homeopathic dilutions. Homeopathy. 2012 Jul;101(3):165-70. doi: 10.1016/j.homp.2012.02.007.
  7. Patil CR et al. Immunomodulatory activity of Toxicodendron pubescens in experimental models. Homeopathy. 2009 Jul;98(3):154-9. doi: 10.1016/j.homp.2009.02.011.
  8. Patil CR et al. Dual effect of Toxicodendron pubescens on Carrageenan induced paw edema in rats. Homeopathy. 2009 Apr;98(2):88-91. doi: 10.1016/j.homp.2009.01.003.
  9. Patil CR et al. Modulation of arthritis in rats by Toxicodendron pubescens and its homeopathic dilutions. Homeopathy. 2011 Jul;100(3):131-7. doi: 10.1016/j.homp.2011.01.001.

 

Ergänzung (9.9.2019):

Am 11. Juni 2019 haben die Herausgeber der Scientific Reports das Papier zurückgezogen. Sie begründen Ihren Schritt unter anderem damit, dass das in vitro Modell nicht die wichtigste Schlussfolgerung der Arbeit, dass Rhus tox Schmerzen reduziert, unterstützt.

Die Herausgeber weisen in ihrem Kommentar auf verschiedene Fehler hin, die nach Veröffentlichung bemängelt worden waren, z.B. eine Doppelung von Abbildungen. Daraufhin wurde erneut Expertenrat eingeholt, der die Aussagen der Arbeit als nicht vertrauenswürdig einstufte. Warum die bemängelten Fehler im ersten Reviewprozess (immerhin handelt es sich um die Scientific Reports) nicht aufgefallen sind, bleibt unerklärt, ebenso die Frage, warum den Autoren nicht die Möglichkeit zur Nachbesserung gegeben wurde.

Quelle: https://www.nature.com/articles/s41598-019-44557-w

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Neuer Wisshom-Blog

Es gibt einen neuen Wissenschaftsblog von Wisshom, den Prof. Harald Walach editiert. In einem ersten Beitrag beschäftigt er sich mit der negativen Stellungnahme einer Arbeitsgruppe des  EASAC (European Academies Science Advisory Council)  zur Homöopathie). Der Kommentar ist sehr lesenswert: http://www.homöopathie-forschung.info/easac/

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Homeogenomics: Veränderung der Genexpression durch Homöopathie

Eine bislang wenig wahrgenommene Forschungsrichtung im Bereich der homöopathischen Grundlagenforschung sind die so genannten “Homeogenomics”. Schon seit bald 20 Jahren werden Effekte potenzierter homöopathischer Arzneien am menschlichen Genom beschrieben. Hierzu ist kürzlich eine Übersichtsarbeit in einer Zeitschrift der ARH erschienen, die die Arbeiten der letzten 20 Jahre prägnant zusammenfasst [1].

Kay und Khuda-Bukhsh definieren “Homeogenomics” wie folgt: Molekularbiologische Untersuchungen, die zum Verständnis der Wechselwirkungen zwischen homöopathischen Präparaten und dem menschlichen Genom beitragen sollen [2]. Die bisherigen Studien haben gezeigt, dass diese Wechselwirkungen tatsächlich existieren, beispielsweise in der Up- und Down-Regulation bestimmter Gene, welche deren Expression und Aktivität verändern. Es bestehe Hoffnung, dass durch die genaue Analyse der durch eine homöopathische Substanz beeinflussten Gene die Auswahl der individuellen homöopathischen Arznei für den Patienten unterstützt werden könnte. Insbesondere in der Onkologie wurden bereits einige Arzneimittel detailliert untersucht.

Eine zentrale Rolle in der bisherigen Forschung spielt der mittlerweile emeritierte Professor Anisur R. Khuda-Bukhsh aus Kalyani/Indien: Als ehemaliger Vorstand des zoologischen Instituts der Universität von Kalyani hat er rund 320 Arbeiten publiziert, viele davon in hochrangigen internationalen Journalen. Im Jahre 1997 erschien die erste wichtige Arbeit zu diesem Thema, die die Wirkung homöopathischer Mittel auf das Genom postulierte [3]. Seitdem sind zahlreiche Arbeiten verschiedener Autoren und Arbeitsgruppen erschienen, die diese Annahmen stützen. Einige Beispiele dazu, wie homöopathische Präparate die Expression zahlreicher Gene beeinflussen können (s. Literaturangaben dazu unter [1]):

  • Gelsemium sempervirens wirke auf die Up- bzw. Down-Regulation von mindestens 49 Genen, dabei auch auf sechs Gene, die menschliche Neuroblastom-Zellen regulieren. Auch für Hydrastis canadensis und Condurango sind solche Wirkungen untersucht worden.
  • Ob solche Wirkungen am Genom auch konkrete, positive Auswirkungen für Patienten haben, wird derzeit untersucht. Es scheinen beispielsweise bestimmte Entzündungsmediatoren angesprochen zu werden, die bei Autoimmunkrankheiten oder bei Allergien eine Rolle spielen.
  • Im Bereich der Onkologie gibt es Ansätze, die Genregulation bezüglich Apoptose, Regulation des Zellzyklus, Autophagie und Angiogenese zu untersuchen. Im Fokus steht dabei beispielsweise das Tumorsuppressorgen TP53, dass das Protein p53 codiert. Letzteres spielt unter anderem bei der Angiogenese und der Aktivierung von Reparaturproteinen eine wichtige Rolle. Effekte durch Phytolacca decandra, Condurango, Thuja officinalis, Carcinosinum und Lycopodium clavatum (in unterschiedlichen Potenzen, von Urtinkturen bis C200) konnten bereits gezeigt werden.
  • Im Bereich der Epigenetik wird untersucht, wie im Detail diese Veränderungen der Genexpression vonstatten geht. Dabei spielt die Methylierung der DNA eine wichtige Rolle. Hierbei wurde unter anderem die Promotorregion von TP53 untersucht und die Wirkung von Condurango bei der Demethylierung im Rahmen einer epigenetischen Modifikation an Krebszellen gezeigt. Ähnliche Effekte sind für Hydrastis canadensis beschrieben.

Kay und Khuda-Bukhsh schlussfolgern aus den bisherigen Daten, dass “homeogenomische und homeogenetische” Überlegungen den Weg für die Entwicklung eines wirkungsvollen Therapiesystems im Sinne einer personalisierten Medizin bahnen könnten [1].

[1] Kay PH, Khuda-Bukhsh AR: An introduction to homeogenomic considerations in innovation of high dilution technology. Homeopathy in practice, Spring/Summer 2016, p.46-52 (http://www.a-r-h.org)

[2] Kay PH, Khuda-Bukhsh AR: The contribution of homeogenomic and homeogenetic studies in the support of the practice of Homoeopathy. Indian J Res Homoeopathy 2016;10: 101-107

[3] Khuda-Bukhsh AR: Potentized homoeopathic drugs act through regulation of gene-expression: a hypothesis to explain their mechanism and pathways of action in vitro. Complement Ther Med 1997 (5): 43-46

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Neue Informationen zur Homöopathie-Forschung

Diesen Sommer sind diverse Informationen zur Homöopathie-Forschung überarbeitet oder ganz neu erstellt worden:

Die FAQ des britischen Homeopathic Research Institutes sind nun auch auf Deutsch verfügbar: https://www.hri-research.org/de/homeopathy-faqs/

Der Forschungsreader zur Homöopathieforschung von Wisshom steht nun auch auf Englisch zur Verfügung: http://www.wisshom.de/index.php?menuid=102&getlang=en

Ein nachdenkliches Editorial von Harald Walach zur Zukunft der Homöopathie ist in der Forschenden Komplementärmedizin erschienen: https://www.karger.com/Article/Pdf/448970

Ein neuer homöopathischer Blog zur Forschung ist online: http://www.in-zukunft-homoeopathie.de/

Viel Freude beim Lesen!

 

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Aktueller Bericht fasst den Stand der Forschung zur Homöopathie zusammen

In den letzten Tagen war im Kontext des deutschen Homöopathie-Kongresses ein großes Presseinteresse an der Homöopathie zu beobachten. Mehrere Leitmedien bezeichneten Homöopathie als „Hokuspokus“ oder „Scheintherapie“. Die Wissenschaftliche Gesellschaft für Homöopathie hat nun einen Bericht verfasst, der den Forschungsstand auf Basis der Daten aus internationalen Fachzeitschriften mit Peer Review-Verfahren zusammenfasst. Die wichtigsten Ergebnisse sind:

  1. Homöopathische Behandlung ist unter ärztlichen Alltagsbedingungen (Praxis) klinisch nützlich (Perspektive Versorgungsforschung).
  2. Auch hochwertige randomisierte klinische Studien zeigen spezifische Effekte, in denen Homöopathie dem Placebo überlegen ist (Perspektive Randomisierte Klinische Studien).
  3. Vier von fünf Metaanalysen zeigen eine statistische Überlegenheit der homöopathischen Arznei im Vergleich zu Placebo, allerdings ist die Anzahl hochwertiger Studien gering (Perspektive Metaanalysen).
  4. Auch in Experimenten mit Zellkulturen, Tieren und Pflanzen gibt es, mittlerweile reproduziert, Effekte, die eine spezifische Wirkung von Hochpotenzen zeigen (Perspektive Grundlagenforschung).
  5. Die Studienlage ist insgesamt nicht eindeutig beweisend, belegt aber hinreichend einen therapeutischen Nutzen. Mehr hochqualitative Forschung ist nötig, insbesondere Replikationen von positiven Studien.

Im Gegensatz zur mittlerweile emotional aufgeladenen Debatte, liegt mit diesem Forschungsbericht ein wichtiger Beitrag zur Versachlichung der Debatte auf der Basis von Daten vor.

Download des Berichtes: http://www.homoeopathie-online.info/wp-content/uploads/Der-aktuelle-Stand-der-Forschung-zur-Hom%C3%B6opathie-2016-WissHom.pdf

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“Der Glaube an die Globuli” – eine kritische Rezension

Rezension von „Der Glaube an die Globuli. Die Verheißungen der Homöopathie. Hrsg. von Norbert Schmacke. suhrkamp medizinhuman. Suhrkamp Verlag, Berlin 2015“

Diese neu erschienene Streitschrift suggeriert dem Leser, dass Homöopathen „Alternativmediziner“  sind, die glauben, schwere Krankheiten wie Schlaganfälle und Krebserkrankungen allein durch Homöopathie zu heilen. Dabei sei die Homöopathie erwiesenermaßen eine Placebotherapie, für die es keine wissenschaftlichen Belege gäbe.  Homöopathen würden sich der Evaluation durch die evidenzbasierte Medizin entziehen, da sie davon überzeugt seien, dass der randomisierte kontrollierte Doppelblindversuch nicht zur Erfassung der Wirksamkeit der Homöopathie geeignet sei.  Außerdem würden Homöopathen einen autoritär-paternalistischen Stil der Kommunikation ausüben, da sie ihre Patienten nicht über die Placebofunktion ihrer Medikamente aufklärten. Der von den Autoren verortete Skandal bestände darin, dass diese Glaubensmedizin, ebenso wie die Anthroposophische Medizin, durch den Rechtsstatus als „Besondere Therapierichtungen“ geschützt seien und ihre Wirksamkeit daher nicht belegen müssten.  Die Autoren empfehlen als Rezept für eine bessere Medizin mehr partizipative Entscheidungsfindung und eine noch stärkere Evidenzbasierung der Medizin.

Die Zielsetzung dieser Schrift erschließt sich vor allem durch jene Inhalte, die die Autoren ausgelassen haben. Es sei an dieser Stelle daher erlaubt, der polarisierenden Perspektive dieses Buches einige sachliche Argumente entgegen zu setzen:

1. Homöopathische Ärzte sind Komplementärmediziner

Der allergrößte Anteil der knapp 10.000 Ärzte in Deutschland, die eine homöopathische Zusatzqualifikation haben, sind niedergelassene Haus- oder Fachärzte mit einem Kassensitz. Sie üben Homöopathie als eine zusätzliche Therapiemethode aus, die ihre konventionelle („schulmedizinische“) Therapie ergänzt. Ein Blick in das Arztverzeichnis auf der Homepage des DZVhÄ hätte genügt, um sich hiervon zu überzeugen. Den Typus des „Alternativmediziners“, der in seiner irrational-mythischen Glaubensüberzeugung nur Homöopathie und keine konventionelle Medizin betreibt, wie er hier von den Autoren Uwe Heyll und Norbert Schmacke geschildert wird, gibt es in dieser stark überspitzten Form allenfalls ausnahmsweise. Die meisten homöopathischen Ärzte versorgen ihre Patienten auch schulmedizinisch und wägen den Einsatz von Homöopathie und Schulmedizin sorgfältig gegeneinander ab.

2. Homöopathische Behandlungsindikationen sind chronische Erkrankungen wie allergische Rhinitis und Neurodermitis

Homöopathische Behandlungsindikationen sind in der übergroßen Mehrheit ambulant behandelte chronische Erkrankungen, bei denen die konventionelle Behandlung als defizitär oder als zu nebenwirkungsreich empfunden wird. Dies sind vor allem allergische Rhinitis, Kopfschmerzen und Neurodermitis (vgl. hierzu eine Kohortenstudie mit 3981 Patienten: http://www.biomedcentral.com/1471-2458/5/115). Schlaganfälle oder Krebserkrankungen stellen eher Ausnahmen dar. Bei diesen schweren Erkrankungen erfolgt eine homöopathische Behandlung, falls sie überhaupt erfolgt, sekundär zur konventionellen, z.B. um Nebenwirkungen zu mildern oder die Lebensqualität zu verbessern.

3. Die Evidenz

Eine Überraschung an diesem Buch ist die Tatsache, dass die Evidenz für die Behauptung, dass homöopathische Arzneimittel Placebos sind, gar nicht auf der Basis von wissenschaftlichen Daten aus Studien dargestellt und diskutiert wird. Die Autoren verzichten auf eine entsprechende Darstellung und Diskussion und verweisen unter anderem darauf, dass dies ja schon in dem Buch „Die Homöopathie-Lüge: So gefährlich ist die Lehre von den weißen Kügelchen“ dargestellt und in einem australischen HTA aufgearbeitet sei. Dass die Autoren (als Wissenschaftler) hier auf eine populistische Streitschrift als wissenschaftlich umfassende Referenz verweisen, ist ungewöhnlich. Zumal dem Autoren Norbert Schmacke Forschungsdaten der Homöopathie bekannt sind: In einer Studie zur Homöopathie von 2010, die er hauptverantwortlich publizierte, schreiben Schmacke et al.:

„Für einige wenige Erkrankungen konnten Wirksamkeitsnachweise erbracht werden: Nach dem derzeitigen Stand der Forschung liegt für die Indikationen Heuschnupfen, Durchfall bei Kindern, Weichteilrheuma, Darmlähmung nach Operation und Atemwegsinfektionen ein Wirksamkeitsnachweis vor.“ (Stamer M, Müller VE, Berger B, Schmacke N. Perspektiven von Patientinnen und Patienten auf ihre Versorgung durch homöopathisch tätige Ärzte und Ärztinnen – Eine qualitative Studie. Abschlussbericht. Bremen 2010. S.12. Abgerufen am 13.11.2015,  unter: http://www.akg.uni-bremen.de/pages/arbeitspapierBeschreibung.php%3FID=28&SPRACHE=DE.html).

Wie passt dieses Zitat von 2010 nun zu der Aussage des Autors, dass es überhaupt keine Belege für eine Wirksamkeit der Homöopathie gibt?

Auch nennen Schmacke et al. nicht einmal die fünf bisher publizierten umfassenden Metaanalysen zur Homöopathie (von denen vier Metaanalysen ein statistisch positives Ergebnis zu Gunsten der Homöopathie erbrachten, auch wenn diese, wie zu erwarten, wegen fehlender Plausibilität kritisch diskutiert werden).

Dass Homöopathen Wirksamkeitsevaluationen und klinische Forschung nicht ablehnend, sondern sogar befürwortend gegenüberstehen, verdeutlicht die Tatsache, dass zum Zeitpunkt November 2015 auf der weltweit umfangreichsten Datenbank zur Homöopathie CORE-Hom bereits 1117 klinische Studien zur Homöopathie erfasst sind. Die meisten davon wurden von homöopathischen Ärzten durchgeführt. Schmacke et al. hätten sich hier umfassend und kostenfrei mit der primären Datenlage auseinandersetzen können. Auch die Gründung der Homöopathie-Stiftung und der WissHom (Wissenschaftliche Gesellschaft für Homöopathie) sind in diesem Kontext als Zeichen der fortschreitenden wissenschaftlichen Professionalisierung der homöopathischen Ärzte zu deuten. Homöopathen sind sicher nicht als forschungsfeindlich zu betrachten.

4. Die Placebo-Hypothese

Die nach wie vor umfassendste Metaanalyse von Linde et al. 1997 konstatierte zur Vermutung, dass die homöopathische Arzneitherapie eine Placebotherapie sei:

„The results of our meta-analysis are not compatible with the hypothesis that the clinical effects of homeopathy are completely due to placebo.“  (http://www.thelancet.com/journals/lancet/article/PIIS0140-6736%2897%2902293-9/abstract).

Diese Schlussfolgerung ist auch heute noch gültig, wie der schwedische Wissenschaftler Hahn 2013 in einem Review berichtet (http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/24200828).

Selbstverständlich spielt der Placeboeffekt auch in der klinischen Homöopathie eine Rolle. Eine neuere Metaanalyse von 2014 zur klassischen individualisierenden Einzelmittel-Homöopathie kommt jedoch auch hier zur Schlussfolgerung:

„Medicines prescribed in individualised homeopathy may have small, specific treatment effects.“ (http://www.systematicreviewsjournal.com/content/3/1/142). Auch wenn Schmacke et al. diese Daten vermutlich für nicht plausibel halten – zur wissenschaftlichen Redlichkeit gehört auch, sich mit konträren Positionen und Daten auseinanderzusetzen. Hiervon erfährt der Leser jedoch nichts.

5. Arzt-Patienten-Kommunikation

Schmacke attestiert den Homöopathen, sich ihren Patienten gegenüber autoritär-paternalistisch zu verhalten. Der gleiche Autor Schmacke beschreibt in seiner eigenen Forschungsarbeit von 2010 dagegen auch entgegengesetzte und positive Aspekte des homöopathischen Therapiesettings, durchaus auch im Sinne einer partizipativen Entscheidungsfindung (Stamer M, Müller VE, Berger B, Schmacke N. Perspektiven von Patientinnen und Patienten auf ihre Versorgung durch homöopathisch tätige Ärzte und Ärztinnen – Eine qualitative Studie. Abschlussbericht. Bremen 2010. Abgerufen am 13.11.2015 unter: http://www.akg.uni-bremen.de/pages/arbeitspapierBeschreibung.php%3FID=28&SPRACHE=DE.html):

„Basierend auf schulmedizinisch orientierten diagnostischen und therapeutischen Empfehlungen suchen Patienten und Patientinnen Beratungsmöglichkeiten – verstanden im Sinne einer ärztlichen Entscheidungsbegleitung – im Kontext homöopathisch-ärztlicher Versorgung auf. Dabei wird beispielsweise erörtert, wie bisherige Perspektiven durch Einholung ergänzender Informationen erweitert werden können, um auf diesem Wege die Auseinandersetzung mit der Entscheidungsgestaltung zu befördern. Die Herangehensweise offenbart den Patienten und Patientinnen die Gelegenheit aktiver Mitgestaltung ihrer Versorgungssituation. Werden sie selbst aktiv und suchen das Gespräch mit ihren homöopathisch tätigen Ärzten/Ärztinnen, kann sich mittels dieser Aktivität ein Gefühl der Handlungsautonomie entlang individuell gestalteter Verknüpfung von Schulmedizin und ärztlicher Homöopathie entfalten.“ (S.124-125)

„Durch den Kontakt mit homöopathischen Herangehensweisen wurden bei den InterviewpartnerInnen einige Veränderungsprozesse in Gang gesetzt. So wird z.B. von einer größeren Gelassenheit im Umgang mit Erkrankungen gesprochen oder davon, dass das Vertrauen in die eigene Einschätzung gestiegen ist. Die homöopathische Behandlung und/oder die jeweilige homöopathische ÄrztIn haben dazu beigetragen, dass Krankheitsängste reduziert wurden. Dabei erscheint quasi das gesamte homöopathische Setting entdramatisierend: eine Wohnzimmeratmosphäre im Wartezimmer, das Anbieten von Getränken oder eine persönliche Begrüßung vermitteln, dass PatientInnen sich hier in einer Alltags- und nicht in einer Ausnahmesituation befinden. Auch die vorsichtige Annäherung an die Krankheitsdiagnose und eine Vorgehensweise, die erst einmal von einer nicht bedrohlichen Erkrankung ausgeht, tragen dazu bei, Ängste zu reduzieren und das Vertrauen darauf, dass der Körper eigenständig mit einer Erkrankung fertig wird, zu bilden oder zu vergrößern. Die Ermunterung zur Selbstbehandlung und die Unterstützung dabei durch die ÄrztInnen wurden als Zuwachs von Autonomie und Selbständigkeit erlebt.“ (S. 118-119)

Schmackes Forschungsergebnisse von 2010 stehen auffällig im Gegensatz zu den Aussagen im aktuellen Buch. Warum verschweigt der Autor seine eigenen Studienergebnisse an dieser Stelle?

6. Besondere Therapierichtungen

Schmacke kritisiert, dass für komplementäre Therapien der juristische Schutz der „Besonderen Therapierichtungen“ besteht. Dabei geht er nicht darauf ein, dass für traditionelle und komplementäre Therapien bei Einführung des Gesetzes andere Grundvoraussetzungen vorlagen als für die Einführung neuer Arzneimittel in den Markt. Während eine neue Arznei vor Markteinführung umfassend auf Nutzen und Risiken überprüft werden muss, werden komplementäre und traditionelle Therapien eben schon seit langem angewendet und von der Bevölkerung genutzt. So ergeben sich vollständig andere wissenschaftlichen Evaluationsmodelle und -abfolgen, wie ein Artikel von Claudia Witt im Deutschen Ärzteblatt aufzeigt (http://www.aerzteblatt.de/treffer?s=komplement%E4rmedizin&s=willich&wo=17&typ=16&aid=65947):

„Komplementärmedizinische Therapiesysteme werden oft schon seit Jahrhunderten angewendet und waren schon verfügbar, bevor die heutigen Standards klinischer Forschung entwickelt wurden. Zusätzlich fehlen systematische Daten über die aktuellen Versorgungsstrukturen – das schließt das Diagnose- und Therapiespektrum ein. Anders folgt die Entwicklung eines neuen Medikaments in der konventionellen Medizin in systematisch aufeinander aufbauenden Phasen. Eine Überlegenheit über Placebo ist zu belegen, bevor ein Vergleich zur Standardtherapie oder gar Versorgungsforschung durchgeführt werden kann. Aufgrund der historischen Entwicklung wird für die Komplementärmedizin eine umgekehrte Forschungsfolge als sinnvoll erachtet.“

Die komplementären Methoden sollten aus pragmatischer Sicht zunächst ihre Sicherheit belegen und dann erst ihren Nutzen. Genau dies erfolgt aber seit etwa 25 Jahren in zunehmendem Maße in der Komplementärmedizin und eben auch in der Homöopathie, was sich mit der wissenschaftlichen Forschungsliteratur zur Homöopathie durch eine Pubmed Recherche oder die Suche in der CORE-Hom Datenbank gut nachvollziehen lässt.

Fazit

Das Buch polarisiert bewusst und ist als Streitschrift zu verstehen, die sich – am Beispiel der Homöopathie und Anthroposophischen Medizin – gegen die Sonderstellung der „Besonderen Therapierichtungen“ richtet. Beispiele für unsachliche Argumentation: Den Typus des „Alternativmediziners“, der in seiner irrational-mythischen Glaubensüberzeugung nur Homöopathie und keine konventionelle Medizin betreibt, wie er von den Autoren geschildert wird, gibt es in dieser stark überspitzten Form nur ausnahmsweise. Die meisten homöopathischen Ärzte arbeiten dagegen komplementär zur konventionellen Medizin. Hauptindikationen der homöopathischen Behandlung sind (nach Studienlage) allergische Rhinitis, Kopfschmerzen und Neurodermitis, nicht jedoch Schlaganfälle und Krebserkrankungen, wie von den Autoren suggeriert wird. Die Evidenz für die Behauptung, dass homöopathische Arzneimittel Placebos sind, wird in dem Buch nicht auf der Basis von wissenschaftlichen Daten aus Studien dargestellt und diskutiert. Norbert Schmacke berichtet auch nicht seine eigenen Forschungsergebnisse von 2010, die seiner nun geäußerten Behauptung, Homöopathen pflegten einen autoritär-paternalistischen Kommunikationsstil, entgegenstehen.

Eine Versachlichung im Sinne eines wissenschaftlichen Diskurses liegt somit offensichtlich nicht in der Zielsetzung dieses Buches, wäre für zukünftige Diskussionen jedoch wünschenswert.

Links

Auch der DZVhÄ (Deutscher Zentralverein homöopathischer Ärzte) hat mittlerweile Stellung genommen unter der Überschrift: Der Glaube an Globuli: „weder neu noch stichhaltig. Darin widerlegt der Medizinhistoriker Prof. Robert Jütte einige in Schmackes Buch enthaltene Behauptungen.

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Homöopathie – ist sie Nanomedizin?

Dieser interessante Übersichtsartikel fasst die von der indischen Regierung geförderte Forschung des indischen Physikers Papiya Nandy zusammen, der untersucht hat, ob wirklich bei Hochpotenzen “nichts drin” ist?

Was er über Jahre herausgefunden hat, ist spannend und weitestgehend unbekannt: Link

 

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