Sturm im Wasserglas: Der Spiegel und die Homöopathie…

Der Spiegel inszeniert mit dem neuesten Artikel zur Homöopathie von Markus Grill und Veronika Hackenbroch erneut seinen Status als Bildzeitung für Abiturienten. Der Artikel selbst ist ein Rückfall ins Mittelalter. Schlecht recherchiert, zum Zweck der Diskreditierung geschrieben, und entstanden aus einem vormodernen (mittelalterlichen) Wissenschaftsverständnis, in dem Dialoge und kritische Diskussionen unerwünscht sind und andere Denkrichtungen pauschal als Irrlehre bezeichnet werden. Diese Art von Journalismus ist weder unabhängig noch investigativ, sondern inquisitorisch.

60.000 Ärzte in Deutschland praktizieren Komplementärmedizin, zwei Drittel aller Menschen in Deutschland lassen sich komplementärmedizinisch behandeln. Genau deshalb ist in diesem Bereich Forschung notwendig, genau deshalb fordert Ärztekammerpräsident Professor Hoppe einen kritischen Dialog mit der Komplementärmedizin. Der Spiegel diskreditiert all dies pauschal mit dem Hinweis “Voodoo und Aberglauben”. Die Carstens-Stiftung als Lobby-Verein zu bezeichnen ist mehr als zynisch. Über Jahrzehnte hat diese Stiftung, die vom ehemaligen Bundespräsident Karl Carstens und Ehefrau Veronica Carstens gegründet wurde, aus Spenden der Bürger  in Deutschland die einzige Forschungsförderung im Bereich Komplementärmedizin überhaupt gesichert und damit ermöglicht, dass komplementäre Therapien wissenschaftlich evaluiert wurden.

Der Forschungsstand der Homöopathie wird vom Spiegel falsch dargestellt. Der größte Teil der bisherigen randomisierten Studien zur Homöopathie zeigt ja – überraschenderweise – ein positives Ergebnis! Diese in der Summe positiven Ergebnisse werden allerdings  kontrovers und kritisch  diskutiert, wie sich dies für gute Wissenschaft gehört. In keinem Fall erlauben die Ergebnisse jedoch den Schluss, dass Homöopathie gleich Placebo sei. Die Bedeutung der Metaanalysen und besonders auch der Versorgungsforschung wird von den Autoren offensichtlich nicht verstanden.

Die USA, an denen wir uns ja im Bereich der medizinischen Forschung hierzulande gerne orientieren, haben übrigens aus der Popularität der alternativen Medizin ganz andere Schlussfolgerungen gezogen: Dort haben mittlerweile über 40 medizinischen Hochschulen Zentren zur Komplementärmedizin eingerichtet, darunter die Harvard Medical School und die Johns Hopkins University. Es werden jährlich mehr als 100 Millionen Euro staatlich zur wissenschaftlichen Erforschung der Komplementärmedizin durch Universitäten bereit gestellt.  Das ist modern!

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