Homöopathie bei Krebserkrankungen

Rostock M, Naumann J, Guethlin C, Guenther L, Bartsch HH, Walach H: Classical homeopathy in the treatment of cancer patients – a prospective observational study of two independent cohorts. BMC Cancer 2011;11:19.

Viele Patienten mit Krebserkrankungen entscheiden sich für eine begleitende klassische homöopathische Therapie. Hierzu wurden bislang nur wenige  systematische Studien durchgeführt. Wie die Effekte in der alltäglichen Praxis aussehen, fragten sich Matthias Rostock et al. Sie führten dazu eine prospektive, vergleichende, nichtrandomisierte Kohortenstudie durch. In der homöopathischen Behandlungsgruppe wurden 259 PatientInnen der Clinica Santa Croce, Orselina, Schweiz, und des Homöopathiezentrums Oberland-Klinik, Weilheim, in der konventionellen Behandlungsgruppe 380 PatientInnen der Klinik für Interdisziplinäre Onkologie und Hämatologie Freiburg und der Klinik für Onkologie und Hämatologie in Offenburg eingeschlossen. Für einen direkten Vergleich wurden additiv Patienten mit den gleichen Tumoridentitäten gematcht. Hauptzielparameter war die Lebensqualität (FACT-G, FACIT-Sp) nach 3 Monaten Behandlungsdauer, sekundäre Zielparameter waren Veränderungen der Lebensqualität nach einem Jahr, sowie Veränderungen in den Bereichen Fatigue, Angst und Depression. Die PatientInnen in der Homöopathiegruppe waren tendenziell jünger, eher selbstständig tätig und hatten eine bessere Bildung. Ein Drittel der Patienten waren in beiden Gruppen Frauen mit Mamma-Karzinom. Die Patienten in der Homöopathiegruppe waren in Bezug auf die Tumorstadien schwerer erkrankt und hatten deutlich häufiger schon eine konventionelle Therapie erhalten bzw. abgeschlossen. Während der ersten drei Monate kam es in der Homöopathiegruppe zu einer deutlichen Verbesserung der Lebensqualität, in der konventionell behandelten Gruppe blieb die Lebensqualität stabil. Nach einem Jahr nahm die Lebensqualität in der Homöopathiegruppe weiter zu, auch in der konventionellen Gruppe konnte eine leichte Verbesserung beobachtet werden werden. In der Homöopathiegruppe wurde ebenfalls eine Tendenz zu weniger Fatigue-Symptomen beobachtet. Die Matched-Pairs-Analyse war aufgrund inhomogener bzw. zu kleiner Gruppen nicht aussagekräftig. In beiden Gruppen nahmen die Patienten zusätzlich weitere komplementäre Therapien wie Misteltherapie und orthomolekulare Nährstoffergänzung in Anspruch.

Fazit: Dies ist die weltweit erste längerfristige, systematische Beobachtungsstudie zur homöopathischen onkologischen Therapie. Aus der Perspektive der Versorgungsforschung verbessert eine homöopathische Therapie bei PatientInnen mit onkologischen Erkrankungen die Lebensqualität, allerdings ist das Studiendesign der Studie nicht geeignet, die Therapieeffekte kausal der homöopathischen Arznei zuzuschreiben. Für einzelne Tumorentitäten lässt sich noch keine Aussage treffen. Patienten können davon ausgehen, dass die Homöopathie ihre Lebensqualität verbessert. Der Einfluss der Homöopathie auf das Tumorgewebe selbst wurde in der Studie nicht untersucht.

Freier Volltextzugang zur Studie: http://www.biomedcentral.com/1471-2407/11/19

Dieser Beitrag wurde unter Allgemein, Forschung veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.