Homöopathie in Leitlinie aufgenommen

Seit 2008 wird die Homöopathie als therapeutische Option der medizinischen Leitlinie Fibromyalgie genannt. Unter Federführung der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Schmerztherapie haben verschiedene Fachgesellschaften die S3-Leitlinie Fibromyalgie erstellt. Darin heißt es in der Langfassung, S. 105:

„Es liegen Hinweise für einen möglichen Nutzen von Homöopathie im Vergleich zu Placebo am Therapieende vor. Katamnestische Ergebnisse liegen nicht vor. Eine zeitlich befristete Behandlung kann innerhalb eines multimodalen Therapiekonzeptes mit homöopathischen Präparaten erwogen werden. Evidenzgrad 2b, Empfehlungsgrad offen, Konsens.

Kommentar: In einer britischen Studie wurden 30 FMS-Patienten für R. toxicum1 repertorisiert und in ein doppel-blindes, plazebokontrolliertes, Cross-over Setting über 2 Monate eingeschlossen. Für die Verum Gruppe zeigte sich eine Reduktion der Anzahl der Tenderpoints, jedoch keine Besserung in der globalen Bewertung des Gesundheitszustandes (Fisher 1989). In einer US-Amerikanischen Studie wurden 53 bzw. 62 Patienten für drei Monate in einem doppelblinden, randomisierten, plazebokontrollierten Setting mit individueller homöopathischer Therapie eingeschlossen (Bell 2004a; Bell 2004b). In der Verumgruppe zeigten sich eine Reduktion der Anzahl der positiven Tenderpoints, eine Verbesserung der Lebensqualität und des globalen Gesundheitsscores am Therapieende. Die Aussagekraft der Studien ist durch die kleine Fallzahl und fehlende Katamnesen eingeschränkt.“

Die Autoren der Leitlinie formulieren angesichts der Datenlage angemessen vorsichtig: „Hinweise für einen möglichen Nutzen […], zeitlich befristete Behandlung kann erwogen werden“. Dass die Homöopathie aber überhaupt in die Fibromyalgie-Leitlinie aufgenommen wird, zeigt, dass sie ihren Platz in der medizinischen Versorgung dieser konventionell nur schwer zu behandelnden Erkrankung besitzt. Die pauschale Aussage von Kritikern, Homöopathie sei mit wissenschaftlicher Medizin unvereinbar, ist damit widerlegt, wird dessen ungeachtet aber immer wieder ins Feld geführt.

Literatur

1.   Bell IR, Lewis DA 2nd, Brooks AJ, Schwartz GE, Lewis SE, Caspi O, Cunningham V, Baldwin CM (2004 a) Individual differences in response to randomly assigned active individualized homeopathic and placebo treatment in 149 fibromyalgia: implications of a double-blinded optional crossover design. J Altern Complement Med 10(2):269-283.

2.   Bell IR, Lewis DA 2nd, Brooks AJ, Schwartz GE, Lewis SE, Walsh BT, Baldwin CM (2004 b) Improved clinical status in fibromyalgia patients treated with individualized homeopathic remedies versus placebo. Rheumatology 43(5):577-582.

3.   Fisher P, Greenwood A, Huskisson EC, Turner P, Belon P (1989) Effect of homeopathic treatment on fibrositis (primary fibromyalgia) BMJ 299(6695):365-366.

1 Anmerkung dieses Blogs:
 „R. toxicum“ ist falsch. Es muss R[hus] toxicodendron lauten.
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